Und Er hat die Erde verkackeiert

Der selbsternannte Gottesbote Rashad Khalifa, der wegen seiner Häresie 1990 von anderen Muslimen ermordet wurde (unter anderem wollte er zwei Koranverse streichen, weil sie sein auf der 19 beruhendes Zahlenschema störten), übersetzte wohl als Erster im Jahre 1989 den Koranvers 79:30 mit

He made the earth egg-shaped.

Er hat die Erde eiförmig gemacht.

Normale Übersetzungen sind:

Pickthall: And after that He spread the earth
Bubenheim: Und währenddessen breitete Er die Erde aus
Al-Azhar-Universität: Er ebnete dann die Erde
Paret: breitete danach die Erde aus
Rasul: Und Er breitete hernach die Erde aus
Transliteration: Waal-arda baAAda thalika dahaha

Man beachte, dass es in der „klaren arabischen Sprache“ offenbar nicht möglich ist, „währenddessen“ von „danach“ zu unterscheiden.

Die alten Korankommentare unterstützen die normalen Übersetzungen, zum Beispiel der Tafsir al-Jalalayn aus dem 15. Jahrhundert:

and after that He spread out the earth:
He made it flat, for it had been created before the heaven, but without having been spread out;

Khalifas Lesart findet man mittlerweile hundertfach im Internet. Mal soll damit der Koran vor dem Angriff in Schutz genommen werden, er stelle die Erde als eine Scheibe dar, mal wird gar behauptet, es handle sich um ein Wunder, weil man damals noch gar nicht wusste, dass die Erde ein Ei ist, was die Form der Erde im Übrigen besser beschreibe als eine Kugel. Diese Argumentation enthält aber gleich drei Fehler.

1. Ist die Erde eiförmig?

In Wirklichkeit weicht die Form der Erde gerade in die andere Richtung von der perfekten Kugel ab. Während beim Straußenei die Symmetrieachse gleichzeitig der längste Durchmesser ist, hat die Erde eine kurze Symmetrieachse von Pol zu Pol. Wenn man einen Ball etwas in die Länge zieht, bekommt man die Form des Straußeneis. Wenn man ihn etwas zusammendrückt, bekommt man die Form der Erde.

Daran ändert sich auch nichts, wenn man das Ei oder die Erde um 90 Grad dreht oder auf die Seite legt. Anhand von zweidimensionalen Abbildungen versuchen muslimische Webseiten und Videos nämlich genau das zu zeigen. Nur jemand ganz ohne räumliche Vorstellungskraft kann darauf reinfallen, aber wenn man sich die Kommentare auf Youtube und in Foren so ansieht, scheinen das nicht wenige zu sein.

Der Erdradius ist am Äquator 6378 km und in Polrichtung 6357 km. Zur Kugel fehlen an den Polen 21,4 Kilometer oder ein Dreihundertstel. Als Erdform wird häufig das Geoid angegeben, das vom Rotationsellipsoid dadurch abweicht, dass Masseanomalien berücksichtigt sind. Es wird manchmal als kartoffel- oder birnenförmig beschrieben, aber das bezieht sich nur seine winzigen Abweichungen vom Ellipsoid, die 100 m nicht überschreiten. Kleinformatige Strukturen wie Berge und Täler werden im Geoid nicht berücksichtigt, und der Gezeiteneffekt ist auch außen vor.

Könnte der Gezeiteneffekt eine Eiform ergeben? Wegen der Asymmetrie der Kräfte auf der dem Mond zugewandten und abgewandten Seite könnte man sich sogar ein stumpfes und ein spitzes Ende vorstellen. Der Meeresspiegel wird dadurch aber nur um durchschnittlich 30 cm angehoben, und die Hebung bzw. Senkung der festen Erdkruste beträgt auch nur etwa 30 bis 60 cm.

Als bessere Vergleiche bieten sich anstatt des Straußeneis Orangen und Wassermelonen an, oder Bälle, denn die Abweichung der Erde von der Kugelform ist minimal. Dr. Haluk Nurbaki hat das auch gemerkt und versucht die Argumentation so zu retten:

Among all the eggs of organisms, the one closest to a sphere is the ostrich egg.

Unter allen Eiern ist das Straußenei der Kugelform am nächsten.

Das stimmt nicht. Die Google-Abbildungen von Straußeneiern weisen eine deutliche Streckung auf. Hingegen gibt es aber kugelrunde Eier von Schildkröten und von Schmetterlingen.

2. Wusste man, dass die Erde rund ist?

Fethullah Gülen schreibt:

Weil der wissenschaftliche Stand damals der wörtlichen Bedeutung des Verses zu widersprechen schien, haben einige Koraninterpreten diesen falsch gedeutet und das Wort als ‚ausbreiten‘ interpretiert. Als Grund dafür darf man geltend machen, dass in früheren Zeiten der wörtliche Sinn nicht akzeptabel erschien und die Koraninterpreten fürchteten, der Vers könne missverstanden werden.

Was wird den Korankommentatoren da unterstellt? Sie befürchteten, „der Vers könne missverstanden werden“? Das ergibt keinen Sinn. Nach Gülens Argumentation müssten die Korankommentatoren gelogen haben, weil sie befürchteten, der der Vers könne wörtlich verstanden werden und so zu Kopfschütteln führen. Die Formulierung „Als Grund dafür darf man geltend machen, …“ lässt vermuten, dass Gülen eine solche Lüge für gerechtfertigt hält, wenn sie den Koran richtiger erscheinen lässt. Ja, offenbar denkt er so, denn er verbreitet ja aus demselben Grund ganz ähnliche Unwahrheiten.

Wikipedia weiß es besser:

Die irrige moderne Annahme, dass insbesondere die mittelalterliche Christenheit an eine Erdscheibe geglaubt habe, wird als Mythos der Flachen Erde bezeichnet und von der Historical Society of Britain als verbreitetster historischer Irrtum aufgelistet.

Eratosthenes und Aristoteles wussten schon lange vor der Zeitenwende, dass die Erde rund ist, und dieses Wissen ging nicht verloren.

So konstatierte bereits der katholische Heilige und Kirchenvater Augustinus um das Jahr 400 unmissverständlich, die Erde sei eine Kugel. Quelle: StMichael-online.de

Im Wikipedia-Artikel über Eratosthenes von Kyrene, der um 225 v. Chr. den Erdumfang recht genau bestimmte, wird erwähnt, dass im Jahr 827 n. Chr. eine Messung des Kalifen al-Ma’mun ein ähnlich genaues Ergebnis erreichte. Im Artikel über den Erdradius lesen wir:

Der Mathematiker Al-Biruni ermittelte im Jahr 1023 mit einem von ihm erfundenen neuen Messverfahren den Radius der Erdkugel auf 6339,6 km.

Also war auch den Korankommentatoren in der arabischen Welt die Kugelform der Erde bekannt.

3. Hat dahaha etwas mit eiförmig zu tun?

Hören wir uns mal Pierre Vogel auf Youtube an, von Minute 2:20 bis 2:50 geht es um „dahaha“.

Er sagt also, „dahia“ oder „dahiya“ hieße Straußenei, und „dahaha“ sei davon abgeleitet. Dann folgen die falschen Behauptungen über die Eiform der Erde und bis wann man glaubte, die Erde sei eine Scheibe.

Zum Vergleich Zakir Naik, Minute 4:07 bis 5:00.

Er sagt, dass „duhia“ oder „duhiya“ Straußenei heißt, und behauptet dann, ein Straußenei sei „geospherical in shape“, und hätte genau die Form der Erde. Vogel und Naik sind sich also nicht einig, wie Straußenei auf Arabisch heißt, obwohl beide ein großes Stück Straußeneierschale auf dem Kopf tragen.

Eine dritte Meinung, wie das Wort für Straußenei ist, nämlich „Ud-hiya“, kommt von so einer Art Universität. Der Autor heißt Kamel ben Salem:

… the origin of this verb is found in the word (Ud-hiya), which means, „egg of ostrich“.

In den Wörterbüchern, die ich im Internet gefunden habe, findet man weder die Herleitung von „dahaha“ aus „dahia“ oder „duhia“ noch, dass eines dieser Wörter Straußenei bedeutet. Das ziemlich spärliche dictionary.sakhr.com liefert immerhin bayd=Ei und daha=ausbreiten.

Lane’s Lexikon liefert umfangreiche Erklärungen zu „daha“ und erklärt auch, was „ausbreiten“ mit Straußeneiern zu tun hat. Der Strauß breitet nämlich den Sand aus und ebnet ihn, bevor er (bzw. sie) das Ei hineinlegt. Andere Wörterbücher, die dasselbe aussagen, darunter das in solchen Fragen tonangebende „Lisan al-Arab“, werden in Wikiislam und faithfreedom.org zitiert.

Die letzte Silbe von „dahaha“ ist ein Pronomen und steht für die Erde: „hat sie ausgebreitet“. Übrigens kommt bayd=Ei sogar einmal im Koran vor, Vers 37:49, und Pickthall und die Al-Azhar-Universität übersetzen dort „bayd“ mit „Straußenei“.

Bei Google Books habe ich noch ein Wörterbuch gefunden, in dem ebenfalls „Straußenei“ auf Arabisch „bayd“ ist. Ergänzend zu der Wörterbuch-Suche haben wir noch die Aussage des Ex-Muslims Ladeeni, der Arabisch als Muttersprache hat. Er kennt keine Wörter wie Dahia oder Duhia für „Ei“, aber er hat herausgefunden: „In Libyen wird ein Ei DiHHi genannt“.

In den Kommentaren zum Youtube-Video von UnsichtbarerGeist behauptet „LeJeanNoel“, er hätte ein Larousse-Wörterbuch Arabisch-Französisch, in dem nicht nur steht, dass „Dahia“ „Straußenei“ heißt, sondern sogar „en forme d’oeuf“, eiförmig.

Auf answering-islam.org wird ein anderes Wörterbuch zitiert: „Al-munjid fil’lugha wal’alam“

al-udh’y, al-idhi’y, al-udhu’wa, al-udhi’ya: The egg of the ostrich in the sand.

Es sieht also so aus, dass vielleicht in Dialekten ein Wort, das „daha“ entfernt ähnlich sieht, „Straußenei“ heißt, aber „daha“ ist nicht davon abgeleitet, sondern eher umgekehrt.

Jede Menge verrückte Verrenkungen macht answering-christianity.com, um zu zeigen, dass „daha“ was mit „rund“ zu tun hat. Die Argumentation sagt (dort auf Arabisch/Englisch) ungefähr, „Er hat die Erde ausgewalzt“ würde für eine kugelrunde Erde sprechen, weil eine Walze doch rund ist und man sich beim Walzer dreht. Oder „Er hat die Erde ausgerollt“ ergibt eine runde Erde, weil eine Rolle rund ist.

In der Liste der Lügner für den Koran darf natürlich Harun Yahya
nicht fehlen:

Indeed, the Earth is round, in a manner reminiscent of an egg. The slightly flattened spherical shape of the Earth is known as geoid. From that point of view, the use of the word „daha“ contains important information about the shape that Allah has given to the Earth. For hundreds of years, people imagined the Earth to be completely flat and only learned the truth thanks to technology. Yet, this fact was revealed in the Qur’an fourteen centuries ago.

Das sind wieder dieselben drei Falschaussagen, allerdings so aalglatt formuliert, dass sie nur suggeriert werden: „daha“ hat was mit Eiform zu tun – die Eiform beschreibt die Erdform besonders gut – damals hat man gedacht, die Erde sei flach.

Eine rühmliche Ausnahme bildet Islamtoday.com. Dort wird ein Islam-Spezialist gefragt, was davon zu halten ist, wenn ein Prediger behauptet, „dahaha“ deute auf eiförmig hin. Die Antwort ist, dieses Wort bedeute „glätten“ und stehe nicht mit dem Straußenei in Zusammenhang sondern eher mit seinem Ablageplatz im Sand:

From this, we must understand that the word is not used for the egg itself but rather for the flattened depression where the ostrich deposits its egg.

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3 Antworten zu Und Er hat die Erde verkackeiert

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  3. Christian Alber schreibt:

    Die Erde war schon immer eine flache Scheibe. Dies ist so in der Bibel, in der Torah, in den Veden und bei allen alten Ueberlieferungen so ziemlich aller Kulturen und so ziemlich aller Rassn so korrekt festgehalten. Und zwar teilweise via alter Mythen als auch alter Schriften und historischer Beweise.
    Es gab 1946 eine Schlacht am sog. Suedpol wo der amerikanische Admiral Byrd geschlagen wurde, vermutlich von den dort ansaessigen Reichsdeutschen. Die Expeditioen der 3. Reichsleuten ging vermutlich writ ueber den „Suedpol“ zu den zahlreichen Landmassen und Kontinenten dahinter. Einige sehr alte Karten zeigen die Laendereien hinterhalb des sog. „Suedpols“.
    Wer es nicht glaubt moege bitte die alten 1000-Jahre alten Karten studieren. Die Flugzeuge fliegen alle heute weiterhin auf Badis der Berechnungen des Weltflugabkommens von ~1900 und dieses wurde anhand der flachen Erde berechnet weswegen wir auch in der angegebenen Zeit am richtigen Ort ankommen!

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