Was ist Information?

Es gibt einige Begriffe, die in der Umgangssprache anders benutzt werden als in der Wissenschaft. „Theorie“, „Energie“, „Dimension“ und „Information“ gehören dazu. Sogar in verschiedenen Zweigen der Wissenschaft können solche Begriffe unterschiedlich definiert sein.

„Dimension“, zum Beispiel, wird in der Physik ähnlich wie „Einheit“ benutzt, bloß eben ohne Einheit. Länge, Zeit, Masse sind in der Physik Dimensionen. In der Mathematik versteht man unter Dimensionen die Anzahl der Richtungen, die alle zueinander einen rechten Winkel bilden. Mehr über den Begriff Dimension hat Florian Freistetter im September in seinem Blog Astrodicticum Simplex geschrieben.

Kolmogorow

Der gebräuchlichste Informationsbegriff in der Wissenschaft ist die Kolmogorow-Komplexität:

Der Informationsgehalt einer Zeichenfolge wird durch das kürzeste Programm bestimmt, das diese Zeichenfolge erzeugt.

Durch Hinzufügen eines Zeichens kann der Informationsgehalt also paradoxerweise verringert werden.

Shannon

Bei der Informationstheorie nach Shannon werden Zeichen mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten betrachtet.

Je kleiner die Auftretenswahrscheinlichkeit eines Zeichens ist, desto höher ist sein Informationsgehalt.

Sender? Botschaft?

Das sind die gebräuchlichen Definitionen von Information. Es geht ganz abstrakt um Zeichenketten. Sender, Empfänger und Bedeutung kommen nicht vor.

Da in der Umgangssprache „Information“ normalerweise eine transportierte Botschaft meint, sind Missverständnisse vorprogrammiert. Man beobachtet sie regelmäßig in Diskussionsforen, wenn Kreationisten behaupten, Information im genetischen Code könne nicht durch Zufall entstehen.

Mit der Kolmogorow-Komplexität im Blick kann man da nur den Kopf schütteln. Eine regelmäßige Folge wie ‚10101010‘ erhält durch jede Änderung eines Zeichens einen Zuwachs an Information. Die Kreationisten verstehen unter „Information“ aber irgendwas mit Sender und Botschaft und müssen erstmal zeigen, dass sowas überhaupt im Genom enthalten ist.

Hazen, Griffin, Carothers und Szostak

Eine auf das Erbgut zugeschnittene Definition von Information haben Hazen, Griffin, Carothers und Szostak 2007 formuliert. Ja, schon wieder der Jack W. Szostak mit den Vesikeln und den Telomeren.

I(Ex) = -log2[ M(Ex) / N]

Dabei soll x eine biologische Funktion sein (z.B. Lichtempfindlichkeit) und Ex der Grad, wie gut diese Funktion erfüllt wird.

M(Ex) ist die Anzahl der Konfigurationen (z.B. Gene), die dazu führen, dass die Funktion zu diesem Grad oder besser erfüllt wird.

N ist die Anzahl aller möglichen Konfigurationen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Konfiguration vorliegt, die die biologische Funktion zum vorgegebenen Grad erfüllt, ist „der Anteil der Günstigen an den Möglichen“, also M(Ex)/N.

Der fiese negative Logarithmus macht aus der Wahrscheinlichkeit eine Information. Wäre die Wahrscheinlichkeit z.B. ein Achtel, dann ist -log2 davon 3, denn 2-3 ist ein Achtel.

Diese 3 kann man sich gut als 3 Bit vorstellen. Eine Wahrscheinlichkeit von einem Achtel entspricht so der Information, die in 3 Bit reinpasst.

Hazens Definition von Information geht davon aus, dass Information zufällig entsteht, denn sonst wäre die Wahrscheinlichkeit Null.

Werner Gitt

Auf Werner Gitt geht wohl die Vorstellung von „Information“ zurück, die den Kreationisten meistens vorschwebt.

Information liegt immer dann vor, wenn in einem beobachtbaren System alle folgenden fünf hierarchischen Ebenen vorkommen: Statistik, Syntax, Semantik, Pragmatik und Apobetik.
Quelle

Answers in Genesis liefert eine „allgemein anerkannte“ Definition von Information, die auch von Gitt sein soll

The agreed upon Universal Definition of Information is:

An encoded, symbolically represented message conveying expected action and intended purpose.

Um mit diesem Informationsbegriff über DNA und Mutationen reden zu können, müsste man erstmal zeigen, dass Information in diesem Sinne in der DNA enthalten ist. Das dürfte schwer fallen.

„Apobetik“ und „intended purpose“ bedeuten, dass es einen Sender mit einer Absicht gab. Wenn man diesen schon in die Definition von Information reinsteckt, wird jeder Versuch, mittels Information und DNA zu beweisen, dass es einen Schöpfer gibt, zum Zirkelschluss.

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Eine Antwort zu Was ist Information?

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