395 Millionen Jahre alte Fußspuren

Die Entwicklung der Landwirbeltiere (Tetrapoden) schien gut belegt zu sein. Gerade vor einer Woche habe ich Tiktaalik als Musterbeispiel für Übergangsfossilien angeführt. Und nun wurden in Polen Fußspuren von Tetrapoden gefunden, die knapp 20 Millionen Jahre zu alt sind, um in das zeitliche Schema zu passen.

Damit büßt Tiktaalik zwar seinen Status als Übergangsfossil nicht ganz ein, aber es wird viel unwahrscheinlicher, dass er der Vorfahre aller Amphibien, Reptilien, Säugetiere und Vögel ist. Es ist immer noch möglich, dass der Verursacher der Fußspuren ausstarb und die Vierbeinigkeit 20 Millionen Jahre später nochmal erfunden wurde.

Die Fachleute bevorzugen allerdings die Hypothese, dass die ganze Entwicklung sich so abgespielt hat, wie man bisher dachte, bloß eben 20 Millionen Jahre früher. Auch in diesem Szenario würde Tiktaalik als wenig veränderter Nachkomme des tatsächlichen Urahns der Tetrapoden ein Übergangsfossil bleiben. Man geht davon aus, dass die Elpistostegalia lange Zeit unverändert neben den aus ihnen hervorgegangenen Vierbeinern überlebt haben.

Die Kreationisten mögen jubeln, dass die Abstammungskette von Fischen zu Tetrapoden nun komplizierter geworden ist, aber dann müssen sie auch zugeben, dass die Wahrscheinlichkeit, jede Tierart als Fossil wiederzufinden, doch gering ist, denn sonst hätte man von dem 395 Millionen Jahre alten Tetrapoden ja auch Knochen finden müssen.

Nach der Meinung von Harun Yahya hätten die Fußspuren eigentlich gar nicht bis in die Nachrichten gelangen können, denn er behauptet ja, problematische Funde würden von den Evolutionisten versteckt. Tatsächlich hat Per Ahlberg den Finder Grzegorz Niedzwiedzki gebeten, die Veröffentlichung zu stoppen, aber nicht, weil er die Entdeckung verheimlichen wollte, sondern weil er die Zehenabdrücke erkannt hatte und verhindern wollte, dass sie als Flossenabdrücke dargestellt werden.

Ein besonders erstaunlicher Aspekt von Tiktaalik war, dass Neil Shubin gezielt in 375 Millionen Jahre alten Ablagerungen eines Flussdeltas nach Übergangsfossilien suchte und ihn dort fand. Bei den Fußspuren von Zachelmie ist es ganz anders. Man fand sie unerwartet in eigentlich zu alten Ablagerungen einer Meeresküste.

Es besteht also die Gefahr, dass wenn man nur dort sucht, wo man Funde erwartet, eine sich selbst erfüllende Prophezeiung eintritt.

Eine anderer Fehlschluss ist, anzunehmen, dass bestimmte Tiere nur dort gelebt haben, wo man Fossilien von ihnen findet. Im vorliegenden Fall sind Flussdeltas einfach besser für die Fossilbildung geeignet als Meeresküsten, und deshalb hat man versteinerte Knochen auf der Ellesmere-Insel gefunden und nicht in Zachelmie.

Dieser Gedanke lässt sich auch auf Vormenschen übertragen. Man kennt nur wenige Fundgebiete, aber vielleicht lebten auch welche in Gegenden mit schlechteren Voraussetzengen für Versteinerung. Vorfahren der Schimpansen hat man so gut wie gar nicht gefunden, weil ihr bevorzugter Lebensraum, der Regenwald, kaum Fossilien entstehen lässt.

Links:
spiegel.de
dailymail.co.uk
guardian.co.uk
scienceblogs.com/notrocketscience
scienceblogs.com/laelaps
pandasthumb.org
whyevolutionistrue
summerwino
nationalgeographic.com

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