Vormenschen 2010 – Halbjahresbilanz

Australopithecus sediba

Nach Ardipithecus ramidus im vorigen Jahr wurde im April 2010 ein etwas weniger interessanter Vormenschen-Fund beschrieben. Während Ardipithecus Aufschluss über den letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpanse gibt, fügt Australopithecus sediba der verwirrenden Vielfalt der vor 2 Millionen Jahren lebenden Homininen eine weitere Art hinzu.

Der Spiegel erwähnt, dass Becken und Beine besonders menschenähnlich seien und John Hawks erwähnt menschlich anmutende Kiefer und Zähne, aber insgesamt bestätigen die Links, dass es richtig war, diese Vormenschen nicht der Gattung Homo zuzurechnen:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,687697,00.html
http://scienceblogs.com/laelaps/2010/04/close_to_homo_-_the_a…
http://www.slate.com/id/2250212/pagenum/2
http://johnhawks.net/weblog/fossils/sediba/malapa-berger-desc…

Die (uneinheitliche) Reaktion der Kreationisten wird hier betrachtet:

http://pandasthumb.org/archives/2010/04/australosediba.html
http://pandasthumb.org/archives/2010/05/creationist-vs.html

Die molekulare Uhr

John Hawks hat 2009 etwas über Ardipithecus ramidus und molekulare Zeitschätzung geschrieben. Die Trennung von Mensch und Schimpanse wird aufgrund genetischer Untersuchungen vor etwa 6 Millionen Jahren vermutet. Fossilien wie Sahelanthropus würden eher 7 Millionen nahelegen, aber einige Gen-Analysen kommen auf weniger als 4,5, was mit Ardipithecus ramidus kollidiert, und erst recht mit Ardipithecus kaddaba. In einem neueren Beitrag wirft er die Frage auf, ob man eine genetische Datierung akzeptieren kann, die die Trennung von Mensch und Schimpanse später als Ardipithecus ramidus einordnet.

Der Finger von Denisova

Hier haben wir es ebenfalls mit einer zeitlichen Diskrepanz zu tun. Der Spiegel und Jerry Coyne beschreiben einen fossilen Finger aus einer Höhle in Denisova mitten in Asien, dem man noch DNA entnehmen konnte, obwohl er zwischen 30.000 und 48.000 Jahre alt ist.

Die molekulare Uhr ergab, dass der Besitzer dieses Fingers zuletzt vor einer Million Jahren gemeinsame Vorfahren mit uns und den Neandertalern gehabt hatte. Das passt gar nicht ins Bild der Auswanderungswellen aus Afrika, die vor 1,9 Millionen Jahren (Homo erectus), vor 500.000 Jahren (Neandertaler) und vor 60.000 Jahren (wir) stattgefunden haben sollen.

Selbst wenn man akzeptiert, dass einige Homo erectus so lange überlebt haben (was man für Homo floresiensis ja auch annimmt), bleibt ein zeitliches Problem bestehen. Vielleicht ist eine Vermischung der Frühmenschenarten die Lösung.

Bis zu vier Prozent Neandertaler

Es stand in allen Zeitungen: Kontakte zwischen Neandertalern und unseren H.-sapiens-Vorfahren haben Spuren in unserem Erbgut hinterlassen, jedenfalls wenn wir keine Afrikaner sind.

Im Freigeisterhaus wurde die Frage geklärt, wie man denn diese „ein bis vier Prozent“ überhaupt messen kann. Wenigstens hier passt räumlich und zeitlich alles zusammen.

Lucys großer Bruder

In Äthiopien wurde 2005 ein Exemplar von Australopithecus afarensis gefunden, das nicht so zwergenhaft ist wie die bekannte Lucy. Die Untersuchungen haben den aufrechten Gang dieser Vormenschenart bestätigt: Pressemitteilung, Spiegel, Scinexx, Welt.

Warum schreiben die denn, „dass menschenähnliches, aufrechtes Laufen viel früher möglich war als bisher gedacht“? Ich dachte, dass Ardipithecus vor 4,4 Millionen Jahren schon aufrecht ging. Dann konnte das Australopithecus afarensis vor 3,6 Millionen Jahren doch erst recht.

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