Glasklare Fehler bei Harun Yahya

In einem früheren Eintrag habe ich schon mal einen Fehler von Harun Yahya vorgeführt, der sich aus zwei Einzelfehlern zusammensetzt. Er meinte, dass die Erde im Koran als rund beschrieben wird und dass das ein Wunder sei, weil man es damals noch nicht gewusst hat. Tasächlich steht im Koran aber nichts von einer kugelförmigen Erde, und es war im siebten Jahrhundert schon lange bekannt, dass die Erde rund ist.

Diesmal zeige ich zwei weitere Doppelfehler, die so eindeutig sind, dass sie sich nicht als Meinung, Übersetzung, Glauben oder Interpretation entschuldigen lassen.

HarunYahya.de über den Urknall:

Nach der Urknalltheorie entstand das Universum aus einem Punkt mit unendlicher Dichte und Null Volumen.

Der Urknall wird von der großen Mehrheit heutiger Astrophysiker akzeptiert, und er ist die wissenschaftliche Bestätigung der Tatsache, dass Gott das Universum aus dem Nichts erschaffen hat.

Der Schöpfer der Himmel und der Erde aus dem Nichts… (Quran, 6:101)

Eine andere Seite bei HarunYahya.de:

Die Schlussfolgerung, die sich aus diesem Modell ergab, war, dass zu einem Zeitpunkt die gesamte, im Universum vorhandene Materie in einem einzigen Masse-Punkt komprimiert war, der aufgrund seiner immensen Gravitation ein „Null-Volumen“ hatte. Unser Kosmos kam als Ergebnis der Explosion dieses Masse-Punkts, der ein Null-Volumen hatte, ins Dasein. Diese Explosion wurde der „Big Bang“ oder „Urknall“ genannt und ihr Stattfinden wurde wiederholt durch wahrnehmbaren Nachweis bestätigt.

Der Big Bange [sic!] wies ferner auf eine weitere Wahrheit hin. Zu sagen, dass etwas ein Null-Volumen hat, bedeutet soviel, wie zu sagen, dass es ein „Nichts“ ist. Das ganze Universum wurde aus diesem „Nichts“ erschaffen.

Harun Yahya irrt. Es gehört nicht zur Urknalltheorie, dass alle Materie „in einem Punkt mit unendlicher Dichte und Null Volumen“ vereinigt war. Man kann aus der Bewegung der Galaxien zurückrechnen, dass das frühe Universum kleiner und dichter war als heute, aber das hat eine Grenze. Die Formeln der Relativitätstheorie werden bei sehr kleinen Abständen durch Quanteneffekte abgelöst, so dass man die Berechnung nicht einfach fortsetzen kann.

Wissenschaft im Dialog:

Masse und Raumzeit waren auf ein winziges Volumen zusammengedrängt, aber nicht in einem ausdehnungslosen Punkt.

Wikipedia über das Nichts:

Der Begriff des Nichts im Sinne eines „vor dem Urknall“ wird aus diesen Gründen von der heutigen Naturwissenschaft nicht verwendet, sondern als physikalisch sinnlos betrachtet.

Es gibt aber ernstzunehmende Theorien, die entweder eine sich zusammenziehende Welt vor unserem Urknall vermuten oder unser Universum als eine von vielen Blasen im Multiversum ansehen. Und es gibt die Aussage von Stephen Hawking:

Weil es ein Gesetz wie das der Schwerkraft gibt, kann sich das Universum selbst aus dem Nichts erschaffen.

Aber das ist seine persönliche Meinung und nicht allgemein anerkannt.

Und was sagt der Koran wirklich in 6:101?

6.101. Er ist der Schöpfer der Himmel und der Erde. Wie könnte Er Kinder haben, wenn Er keine Gefährtin hat? Er ist Der, Der alles erschaffen hat, und Sein Wissen ist allumfassend. (Azhar)

6.101. Schöpfer der Himmel und der Erde! Wie sollte Er einen Sohn haben, wo Er keine Gefährtin hat und wo Er alles erschuf und alle Dinge kennt? (Rasul)

Auch im arabischen Original steht da nicht „aus dem Nichts“. Das hat Harun Yahya zum Korantext dazu erfunden. Stattdessen wird in 11:7 irgendein Wasser erwähnt, das bei der Erschaffung von Himmeln und Erde schon da war:

11.7. Und Er ist es, Der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschuf – und Sein Reich war auf dem Wasser

Das passt mal wieder zu biblischen und vorbiblischen Mythen, die vor die Erschaffung der Welt einen Urozean setzen.

Genesis 1,1: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
2 Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.

Also sagt weder die Urknalltheorie noch der Koran, dass die Welt aus nichts entstand. Harun Yahya irrt sich gleich doppelt, wenn er die Erschaffung aus dem Nichts als große Gemeinsamkeit von Koran und Wissenschaft darstellt.

Noch ein klarer Irrtum

HarunYahya.com:

The number of times the words „man“ and „woman“ are repeated in the Qur’an, 23, is at the same time that of the chromosomes from the egg and sperm in the formation of the human embryo.

Übersetzung:

Die Anzahl, wie oft die Wörter „Mann“ und „Frau“ im Koran vorkommen, 23, ist gleichzeitig die der Chromosomen der Eizelle und des Spermiums bei der Bildung des menschlichen Embryos.

Klar, man kann sich mal verzählen, aber darauf kommt es mir hier gar nicht an. Das Beispiel zeigt deutlich, wie Harun Yahya simple Zufälle als Wunder aufbauscht. Wenn die Zahl der Chromosomen von Mann und Frau der Anzahl entspricht, wie oft Mann und Frau im Koran vorkommen, dann suggeriert Harun Yahya, die Information über die Chromosomen sei im Koran enthalten, und seine dämlichen Anhänger schreiben dann so was:

miraclesofthequran.com, von Harun Yahya inspiriert:

The Qur’an makes reference to the 23rd chromosome that determines the difference between male and female thus: The word “man” and the word “woman” both appear 23 times in the Qur’an. This discovery about chromosomes made only recently was reported hundreds of years beforehand in the Qur’an by way of the number 23, that which concerns the basic difference between male and female.

Übersetzung:

Der Koran verweist folgendermaßen auf das 23. Chromosom, das den Unterschied zwischen Mann und Frau ausmacht: Das Wort „Mann“ und das Wort „Frau“ kommen beide 23 mal im Koran vor. Diese erst kürzlich gemachte Entdeckung über Chromosomen wurde im Koran schon Hunderte von Jahren früher berichtet, und zwar durch die Zahl 23, die den grundlegenden Unterschied zwischen Mann und Frau betrifft.

Tatsächlich kommt aber rajul=Mann 24 mal vor (und Frau ebenfalls 24 mal, wenn man geeignet zählt). Hier ist die Liste der Versnummern für „rajul“:

2:282 4:12 6:9 7:63 7:69 7:155 10:2 11:78 17:47 18:37 23:25 23:38 25:8 28:20 33:4 34:7 34:43 36:20 39:29 39:29 39:29 40:28 40:28 43:31

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2 Antworten zu Glasklare Fehler bei Harun Yahya

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