Harun Yahya über endogene Retroviren

Noch vor einer Woche hätte ich glatt behauptet, der türkische Kreationist Harun Yahya (Pseudonym von Adnan Oktar) hätte sich nie zum Evolutionsbeweis durch endogene Retroviren geäußert. Aber jetzt habe ich in meinen Lesezeichen einen zwei Jahre alten Eintrag aus Abbie Smith’s Blog „ERV“ wiedergefunden: Adnan Oktar aka Harun Yuyomama aka ‚Pillsbury Doughboy Crotch‘ reads my blog.

Abbie zitiert darin aus einer dänischen Seite, auf der Harun Yahya Fragen zu Evolutionsbelegen „beantwortet“ hat. Ich versuche mal die Übersetzung.

Frage: Die DNA ist im Hinblick auf die Evolution ein recht gutes Geschichtsbuch. Wie erklären Sie zum Beispiel das menschliche Chromosom Nummer 2? Wie erklären Sie die Telomer-Markierungen darin, und wie die Übereinstimmung mit dem Chromosom 13 des Schimpansen (wobei Schimpansen 48 Chromosomen haben und Menschen nur 46)? Wir wissen genau wo diese Fusion im Genom passiert ist. Das ist ein klarer Beleg für einen gemeinsamen Vorfahren.

Adnan Oktar: Chromosom 2 (die Fusion zweier Chromosomen) im Menschen ist ein genetischer Defekt, der mit einer Häufigkeit von nur 1/1000 auftritt. Um den großen Unterschied zu erklären, dass Schimpansen 48 Chromosomen haben und Menschen nur 46, wird die Wissenschaft von voreingenommenen Darwinisten verzerrt, und sie versuchen, das Chromosom 2 des Menschen als Beleg für den imaginären gemeinsamen Vorfahren hinzustellen. Aber es gibt hier keine Evolution. Die Fusion, die im menschlichen Chromosom geschieht (die Verschmelzung zweier Chromosomen) ist keine Evolution sondern eine Störung, die eine Behinderung oder sogar den Tod eines Individuums bewirkt.

Irgendwie scheint Oktar anzuerkennen, dass Chromosom 2 eine Fusion zweier Chromosomen darstellt, aber dann auch wieder nicht. Wozu weist er auf die negativen Folgen einer Fusion hin, wenn diese offenbar vor langer Zeit stattgefunden hat, ohne die Menschen auszurotten? Offenbar lenkt er ab, um nicht auf die Frage nach den Übereinstimmungen mit zwei Schimpansen-Chromosomen eingehen zu müssen. Er schwadroniert weiter:

Das bekannteste Beispiel ist das Down-Syndrom. Die wissenschaftlichen Experimente haben bis jetzt gezeigt, dass so eine Fusion keinen Vorteil bringt; im Gegenteil, sie erzeugt behinderte Mutanten oder unfruchtbare Individuen. Dass Darwinisten eine Behinderung als Beweis für die Evolution präsentieren, kennzeichnet ihre bedauernswerte Lage.

Außerdem ist es extrem unlogisch und unbegründet, Ähnlichkeiten in der Anzahl der Chromosomen oder im Genom zu betrachten, um den Schwindel, der Mensch stamme von Schimpansen ab, aufrecht zu erhalten.

Kein Evolutionsbiologe behauptet, dass der Mensch von Schimpansen abstammt. Und die Ähnlichkeiten des Erbguts sind durchaus ein starker Beleg für einen gemeinsamen Vorfahren.

Was die Erbgutsequenz angeht, gibt es eine 75-prozentige Übereinstimmung zwischen Menschen und Nematoden (Würmern).

Ja und? Menschen sind ja auch mit Würmern verwandt, nur eben entfernter als mit Schimpansen, deren Erbgut je nach Zählweise zu 94% bis 99,4% mit dem des Menschen übereinstimmt.

Was die Anzahl der Chromosomen angeht, hat auch die Gattung Peromyscus oder die Art, die umgangssprachlich als Hirschmaus bezeichnet wird, sowie die Kartoffel und der Tabak ebenfalls 48. Die Chromosomenzahl des Menschen ist andererseits 46, wie zum Beispiel auch bei Lepus europaeus, dem Feldhasen. Aber man wird nie einen Hinweis auf diese Details in darwinistischen Veröffentlichungen finden.

Hier irrt Herr Oktar. Ich habe soeben einen Hinweis auf diese Chromosomenzahlen in meine darwinistische Veröffentlichung aufgenommen.

Mit dieser Grundlage können die Menschen dem Schimpansen nur so sehr ähneln wie der Kartoffel oder dem Tabak.

Ken Miller hat es so dargestellt: Als man feststellte, dass Gorillas und Schimpansen ein Chromosomenpaar mehr haben als Menschen, konnte man die Voraussage wagen, dass ein Chromosom des Menschen eine Fusion zweier Affenchromosomen sein muss. Und genau das wurde auch nachgewiesen.

Darüberhinaus sollten, wenn die Behauptung vom „gemeinsamen Vorfahren“ wahr wäre, Übergangsfossilien vorliegen. Man sollte in der Lage sein, wohin man sieht, Millionen von Zwischenformen zu finden, und sie sollten die verschiedenen Stufen dieses imaginären Übergangs belegen. Bis heute haben Wissenschaftler mehr als hundert Millionen Fossilien gefunden. Aber KEINS IST EINE ÜBERGANGSFORM.

Offenbar würde Harun Yahya als Übergangsform nur eine Versteinerung akzeptieren, die sich vor seinen Augen in etwas anderes verwandelt.

Deswegen konnten Darwinisten nur nachgemachte (? „false“) fossile Schädel vorweisen, um die angenommene Evolution des Menschen zu untermauern. Sie wurden alle als Betrug entlarvt und wurden alle aus der wissenschaftlichen Literatur gestrichen. Angesichts der Abwesenheit jeglicher noch so geringer wissenschaftlicher Belege kann von der frei erfundenen Behauptung einer menschlichen Evolution nichts mehr aufrecht erhalten werden.

Harun Yahya denkt dabei wohl an den Piltdown Man, der eher aus nationalistischen Motiven fabriziert wurde. Er schreckt nicht vor der offensichtlichen Lüge zurück, alle Vormenschen-Schädel seien Fälschungen.

Frage: Was sagen Sie zu endogenen Retroviren (ERVs) und den Markierungen, die sie in Form ihrer vererbten Gene hinterlassen haben? Man kann die Abstammung anhand dieser ERV klar zurückverfolgen. Wie erklären Sie diese Hinterlassenschaften, die in der DNA von Menschen und Schimpansen identisch sind? Die Wahrscheinlichkeit, dass dies so oft unabhängig voneinander passierte ist verschwindend gering. Wie erklären Sie, dass sich daraus so eindeutig ein Stammbaum ergibt? Wie kann das durch etwas anderes als durch die gemeinsame Abstammung erklärt werden?

Adnan Oktar: Darwinisten neigen dazu, ERVs (endogene Retroviren) als eine von unseren imaginären äffischen Vorfahren geerbte (? „heretic“, gemeint war wohl „inherited“) Altlast zu interpretieren. Sie behaupten, dass Retroviren, die ungefähr 8 Prozent des menschlichen Erbguts ausmachen, früher mal aktiv waren, aber durch einige Mutationen ihre Funktion verloren haben, und ans menschliche Erbgut von unseren imaginären äffischen Vorfahren als Junk-DNA weitergegeben wurden.

Wenn Proviren (Hinterlassenschaften der Retroviren in der DNA) funktionieren, entstehen Viruspartikel. Das passiert bei Menschen glücklicherweise nicht, also funktionieren die Proviren nicht. Nur einzelne Bestandteile weniger Proviren haben neue Funktionen bekommen, aber der bei weitem größte Teil ist Junk-DNA. Für den Evolutionsbeweis ist es völlig unerheblich, ob die Proviren oder ihre Teile eine Funktion haben.

Erstens: ERVs existieren nicht nur im Schimpansen-Genom sondern in den Genomen aller Säugetiere der ganzen Welt. Das Vorkommen von ERVs bei Schimpansen als einen Beleg für die angebliche Evolution des Menschen anzugeben ist ein ernsthaftes Versagen der Logik.

Jaja, Herr Yahya, deshalb wird ja auch nicht der Strohmann, den sie hier abfackeln, als Beleg präsentiert sondern die übereinstimmenden Positionen, an denen sich die Proviren bei Menschen und Schimpansen befinden. Das ist der Kern des Arguments. Dazu kommt als verfeinerter Beweis noch, dass sogar die mit der Zeit angesammelten Beschädigungen an den Proviren zur Rekonstruktion des Primatenstammbaums ausgewertet werden können.

Zweitens: Nach der Meinung der Darwinisten sollten ERVs DNA-Müll sein, der von imaginären affenartigen Vorfahren geerbt wurde. Allerdings haben neue Erkenntnisse diese für Darwinisten wichtige Behauptung widerlegt. ERVs haben Funktionen und erfüllen drei wichtige Rollen in menschlichen Zellen. 1) Genregulation 2) Bildung der Plazenta 3) Ausbildung von Funktionsstörungen wie Krebs und Unfruchtbarkeit. Dass ERVs nicht Junk-DNA sind, entkräftet restlos alle darwinistischen  Behauptungen.

Das Einfügen eines Provirus ist ein Sonderfall einer Mutation und wie diese in seltenen Fällen gutartig. Wenn viele tausend ERVs im menschlichen Genom gerade mal drei Funktionen erfüllen, entspricht das ungefähr den Erwartungen. Der allergrößte Teil ist Müll. Dass Harun Yahya Behinderungen wie Krebs und Unfruchtbarkeit als  „important roles in human cell“ präsentiert, kennzeichnet seine bedauernswerte Lage.

Der Grund dafür, dass Darwinisten behaupten, sie könnten mittels der genannten Gene den Vorfahren der Menschen bestimmen, aber überhaupt keine Anstalten machen, das auch umzusetzen, liegt darin, dass der Vorfahre der Menschen vor Millionen von Jahren ebenfalls ein MENSCH war. Sie befürchten, das wäre das Ergebnis. Deswegen ziehen sie die Demagogie dem Beweismaterial vor.

Es wurden viele Experimente und Studien durchgeführt, die stets die Evolution bestätigt haben, z.B. Johnson and Coffin 1999 „Constructing primate phylogenies from ancient retrovirus sequences“.

Die Darwinisten müssten Belege für den behaupteten gemeinsamen Vorfahren hervorbringen, anstatt ihre Demagogie zu wiederholen: „gemeinsame Gene sind ein Beleg für gemeinsame Vorfahren“.

Wenn Herr Oktar, anstatt nur Strohmänner zu bekämpfen, mal auf den Evolutionsbeweis durch endogene Retroviren eingehen würde, müsste er zugeben, dass seine Forderung nach Belegen längst übererfüllt ist. Meine Erinnerung hatte also doch nicht versagt. Harun Yahya hat sich nie zum Evolutionsbeweis durch endogene Retroviren geäußert.

Aber der Fossilbefund, die einzige Quelle der Erkenntnis, widerlegt ihre Behauptungen. Es ist nicht schwer, fossile Spuren unserer Vorfahren zu finden. Tatsächlich hat man solche Spuren gefunden. Wenn wir die fossilen Spuren zeitlich zurückverfolgen, finden wir, dass der Vorfahre aller Menschen ein Mensch war, der Vorfahre des Schimpansen der Schimpanse, der Vorfahre des Huhns das Huhn und der Vorfahre des Froschs wieder ein Frosch.

Lebewesen haben sich nie verändert. ES GIBT KEIN EINZIGES ÜBERGANGSFOSSIL, das die Vorstellungen der Darwinisten bestätigen würde, die meinen, Organismen hätten sich durch „große“ oder „kleine“ Veränderungen auseinander entwickelt.

Kürzlich gefundene versteinerte menschliche Fußspuren, die mit 1,5 Millionen Jahren aus einer Zeit stammen, in der laut Darwinisten nur Affenmenschen lebten, haben wieder den totalen Zusammenbruch des Darwinismus gezeigt. Er stellt sich gegen die Wissenschaft und zu versucht die Leute angesichts solcher Fakten mit demagogischen Tricks zu betrügen.

Mit dem letzten Satz hat sich Harun Yahya treffend selbst beschrieben. Man braucht nur einen Biologieprofessor zu fragen, wer sich wohl wissenschaftlichen Erkenntnissen widersetzt.

Die „Affenmenschen“ vor 1,5 Millionen Jahren sind ein weiterer Strohmann. Die Evolutionsbiologen sind sich einig, dass der aufrechte Gang der Vergrößerung des Gehirns vorausging. Homo erectus konnte schon vor 1,9 Millionen Jahren gehen wie wir. Wie der Gattungsname schon sagt, kann man ihn durchaus als Menschen ansehen („Java-Mensch“).

Bekanntlich haben Schimpansen einen großen Zeh, der fast wie ein Daumen absteht. Die von Harun Yahya erwähnten Fußspuren werden Homo ergaster oder Homo erectus zugeordnet, und der große Zeh steht dort im Winkel von 14 Grad ab. Bei den 3,5 Millionen Jahre alten Australopithecus-Spuren aus Laetoli sind es 27 Grad und beim modernen Menschen 8 Grad. Harun Yahya hat also selbst auf eine Zwischenform hingewiesen. Man findet sie eben, wohin man sieht.

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2 Antworten zu Harun Yahya über endogene Retroviren

  1. Pingback: 2011 | kěrěng

  2. deryamani schreibt:

    Das ist wirklich traurig!
    Sie wird das Buch „Wahm Al-Ilhad“ von Ahmed Al-Hasan interessieren. Er ist Schiit, der sich mit diesen Evolutionsbeweisen auseinandersetzt und entlarvt, wie die heutigen Gelehrten ihre Anhänger verblöden!
    Falls Sie arabisch sprechen finden sie das Buch hier:
    http://www.amazon.com/The-Atheism-Delusion-Arabic-Edition/dp/1494714507

    Ansonsten finden sie einige Auszüge, die ins englische Übersetzt wurden auf seiner Seite, unter anderem auch bezüglich der Verschmelzung von Chromosom 2.
    https://www.facebook.com/AhmedAlhasanEnglish.10313

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