Debatte zwischen Sam Harris und William Lane Craig

Am 7. April fand in der für ihr American-Football-Team bekannten und ziemlich katholischen Universität Notre Dame eine Diskussion zwischen dem atheistischen Neurowissenschaftler Sam Harris und dem evangelikalen Christ Dr. William Lane Craig statt. Das Thema war „Is Good From God?“, also die Frage, ob die Moral göttlichen Ursprungs ist.

Dr. Craig begann die Debatte damit, dass er zwei Thesen formulierte und zu begründen versuchte:

  • Wenn es einen Gott gibt, dann ist dieser die Grundlage der Moral.
  • Der Atheismus bietet keine objektive Grundlage für Moral.

Sam Harris hat das Buch „The Moral Landscape“ geschrieben, welches gerade das liefern soll: eine atheistische Grundlage der Moral. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber aus der Debatte etwas aufgeschnappt. Moral hat etwas mit Bewusstsein zu tun. Wenn es im Universum nur Steine geben würde, hätte Moral keine Bedeutung. Auch die objektivste Moral muss also auf fühlende Wesen bezogen sein.

Craig sieht das nicht ein, und wirft Harris‘ Entwurf vor allem vor, dass er nicht objektiv sei. Das kann einem aber eigentlich egal sein. Auf solche Feinheiten, ob diese Moral nur für Menschen gilt und auch für Geisteskranke, sind unerheblich, wenn man den Vergleich mit dem religiösen Entwurf zieht.

Harris geht in seiner Erwiderung also bewusst nicht auf Craigs Argumente ein und zeigt stattdessen auf, wieviel Leid durch religiöse Moralvorstellungen (Taliban, Glaubenskriege, Hexenverbrennung, …) entsteht. Und das ist auch der Kernpunkt seiner Moral.

Er betrachtet das Wohl der Menschen (oder allgemeiner: Wesen mit Bewusstsein) als Folge menschlicher Verhaltensweisen. Das Wohlbefinden der Mitmenschen ist eine Funktion (im mathematischen Sinne) des Verhaltens. Man kann sich das als Koordinatensystem vorstellen mit dem Verhalten an der x-Achse und dem Wohl an der y-Achse.

Das menschliche Verhalten ist aber nicht eindimensional, und das Wohl und Leid ist auch von anderen Parametern abhängig. Deshalb wird aus der Linie im Koordinatensystem eine höherdimensionale Fläche mit lokalen Minima und Maxima: die Moral-Landschaft. Ein höherer Punkt im resultierenden Wohlbefinden bedeutet eine moralische bessere Handlung.

In den Fragen nach der Debatte kam leider nicht vor, was ich gern gefragt hätte:

  • Dr. Craig, wenn ich zugestehe, dass es einen Gott gibt, und dass er über die Moral genau Bescheid weiß, wie teilt er mir denn mit, was Moral ist? Wie kann ich die guten von den bösen Bibelstellen unterscheiden? Wie merke ich, ob eine Eingebung von Gott oder vom Teufel ist? Gott ist keine Grundlage der Moral, wenn er sich uns nicht unmissverständlich mitteilen kann.
  • Herr Harris, woher wissen Sie, dass es nicht im Jenseits große Belohnungen für hier erlittenes Leid gibt? Sex zwischen Unverheirateten vergrößert in dieser Welt das Wohlbefinden, aber wenn die Christen recht haben, würden die Nachteile überwiegen. Die Taliban rechtfertigen ihre Untaten meines Wissens mit dem Wohlbefinden im Jenseits.

Naja, die letzte Frage beschäftigt mich nicht wirklich, aber ich hätte gerne gehört, was Harris darauf antwortet.

http://www.samharris.org/blog/item/the-god-debate/ = Kommentar von Sam Harris mit Link zu gut zwei Stunden YouTube

http://scienceblogs.com/pharyngula/2011/04/harris_v_craig.php = Kommentar von PZ MYers mit Link zu sechs Teilen YouTube

edit 20.4.2011: Mir ist noch eine Frage eingefallen:

Herr Harris, was ist mit der Wahrheit? Nach Ihrem Moralbegriff müsste man eine Lüge weiterverbreiten, wenn sie die Menschen glücklich macht. Könnten also Religion und Homöopathie moralisch hochwertig sein, wenn sich herausstellt, dass doch die Vorteile überwiegen?

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Eine Antwort zu Debatte zwischen Sam Harris und William Lane Craig

  1. Pingback: 2011 | kěrěng

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