Video: weitere Irrtümer der Kreationisten

Ich habe den beiden Evolutionsvideos vom vorigen Jahr soeben ein drittes hinzugefügt. Darunter folgt der vollständige Text dazu.

Dieses Video setzt die Aufzählung der verbreiteten Irrtümer aus dem vorigen Jahr fort. Ab Minute 8 folgen dann Abstammungsbelege durch Tote Gene.

Irrtum 10: Ein Tornado auf dem Schrottplatz setzt keinen Jumbojet zusammen

Das alleine ist natürlich noch kein Irrtum. Ein Tornado setzt tatsächlich kein Flugzeug zusammen. Der Irrtum ist, dass diese Beobachtung auf die Evolution der Lebewesen zu übertragen sei. Im Gegensatz zum Tornado wird in der Evolution nämlich festgehalten, was schon am richtigen Platz ist. Die Evolution begann mit einfachen funktionierenden Einheiten, die durch die Veränderungen immer komplizierter wurden, und im Gegensatz zum Jumbojet hat jedes Lebewesen eine Mutter.

Irrtum 11a: Information kann nicht durch Zufall entstehen

Hierbei müssten die Kreationisten eigentlich definieren, was sie mit Information meinen. Eine Art von Information entsteht offenbar schon beim Würfeln. Man will wissen, welche Zahl kommt, und der Würfel gibt einem diese Information.

Ein Informationsbegriff für Lebewesen wurde von Hazen, Szostak und anderen im Jahr 2007 formuliert:

I(Ex) = -log2[ M(Ex) / N]
x ist dabei eine biologische Funktion und Ex der Grad, wie gut diese Funktion erfüllt wird.
M(Ex) ist die Anzahl der Konfigurationen, die die Funktion zu diesem Grad oder besser erfüllen.
N ist die Anzahl aller möglichen Konfigurationen.

Wo Organismen eine neue Fähigkeit bekommen oder eine bestehende verbessern, steigt also der Informationsgehalt ihres Erbguts. Dass so etwas passiert, wurde zum Beispiel im Lenski-Langzeitexperiment gezeigt, als Escherichia coli die Fähigkeit bekam, sich von Citrat zu ernähren.

11b: Mutationen sind immer schädlich

Ein Gegenbeispiel wurde mit dem Lenski-Experiment ja schon erwähnt. Ein anderes Beispiel ist die Laktose-Verträglichkeit. Dass die meisten Europäer auch als Erwachsene noch Milch vertragen, liegt an einer Mutation, die nur bei einem Teil der Menschheit vorkommt.

In der Evolutions-Simulation boxcar2d.com kann man schön beobachten, wie sich Fahrzeuge durch zufällige Veränderung und Auswahl der Besten nach und nach perfektionieren. Zugegebenermaßen sind dabei die Rahmenbedingungen stark vereinfacht, aber man kann typische Effekte der Evolution nachvollziehen.

11c: Die natürliche Selektion erzeugt keine Information

Das ist insofern richtig, als dass für jede Neuerung eine Mutation zuständig ist. Beziehungsweise bei Lebewesen, die sich geschlechtlich fortpflanzen, kann es auch das erstmalige Zusammenwirken einer Kombination von mutierten Genen sein. Die Selektion entspricht einem Bildhauer. Der kann keinen Marmor erzeugen sondern entfernt nur die überflüssigen Teile. Auch wenn die Selektion nichts Neues erzeugt, hat sie doch einen mindestens ebenso starken Einfluss auf das Erscheinungsbild der Natur wie die Mutation.

Irrtum 12: Makroevolution ist ganz was anderes als Mikroevolution

Es gibt keinen Grund zu bezweifeln, dass die sogenannte Makroevolution eine Addition kleiner Veränderungen ist. Bei der Entstehung der Landwirbeltiere, der Vögel oder der Wale gibt es keine neuen Organe, und die Übergänge zwischen den Fossilien sind so fließend, dass sie kaum über die von allen anerkannte Mikroevolution hinausgehen. Zudem sind „neue“ Organe nicht wirklich neu. Lungen und Schwimmblasen entstanden aus Ausstülpungen des Darms.

Milchdrüsen, Schweißdrüsen, Schuppen, Federn, Haare und Zähne haben, was die Genetik und die Entwicklung betrifft, grundsätzlich den gleichen Aufbau. Es werden nur andere Proteine in unterschiedlicher Struktur ausgeschieden.

Irrtum 13: Die Evolution verläuft allmählich und gleichförmig

Aufgrund dieser falschen Annahme behaupten die Kreationisten gerne, dass die sogenannte Kambrische Explosion im Widerspruch zur Evolutionslehre stünde. Es gibt aber mehrere Gründe, warum im Kambrium viel mehr Fossilien zu finden sind als in älteren Schichten. Möglicherweise standen Sauerstoff und Kalzium reichhaltiger zur Verfügung, so dass sich größere Tiere mit Klauen, Stacheln und Panzern entwickeln konnten. Vielleicht führte das erste Auftreten von Räubern zu einem Wettrüsten, bei dem zum ersten Mal Hartteile entstanden, die viel besser als Fossilien überdauern konnten als die weichen Körper der präkambrischen Ediacara-Fauna.

Das unterbrochene Gleichgewicht „punctuated equilibrium“ sagt aus, dass sich die Arten an neue Verhältnisse ziemlich schnell anpassen, aber bei unveränderten Umweltbedingungen einem Optimum annähern und sich kaum noch verändern.

Irrtum 14: Der erste Mensch hatte keinen passenden Partner

Genauso falsch wie die Vorstellung einer gleichförmig langsamen Evolution ist die Vorstellung, dass die Entstehung neuer Arten in einem großen Sprung geschieht – mit einer klaren Trennlinie.

(Vortrag von Pierre Vogel)

Im Gegensatz zu dem Strohmann, den Pierre Vogel hier aufbaut, war es nicht eine einzelne Mutation, die zur Entstehung des Menschen führte, sondern viele. Es gibt keine klare Trennlinie. Die Fachleute sind unterschiedlicher Meinung, ob man Homo habilis als Mensch einordnen soll oder lieber als Australopithecus habilis, und selbst die Kreationisten, die behaupten, zwischen Affen und Menschen gäbe es große Unterschiede, sind sich nicht einig, welche der gefundenen Schädel von Menschen und welche von Affen kommen.

Den ersten Menschen kann man mit dem ersten Französisch Sprechenden vergleichen. Nach Pierre Vogels Sichtweise konnte der sich mit niemandem unterhalten, denn die anderen sprachen ja noch alle Latein.

Irrtum 15: Der Fossilbefund ist vollständig

Von Kreationisten hört man oft, Darwin hätte selbst geschrieben, man müsste eigentlich eine wahrhaft ungeheure Anzahl von Zwischenvarietäten finden. Er hat aber gleich dahinter geschrieben:

Die Erklärung liegt aber, wie ich glaube, in der äußersten Unvollständigkeit der geologischen Urkunden.

(Stammbaum vom Quastenflosser bis Ichthyostega)

Wie man sieht, werden die Funde nie direkt in die Abstammungslinie eingetragen sondern immer in kurze Seitenzweige. Laut Wikipedia sind weit unter ein Prozent des Artenreichtums fossil erhalten geblieben. Bei so alten Fossilien wäre es also ein großer Zufall, wenn Tiktaalik oder Acanthostega tatsächlich zu unseren Vorfahren gehören sollten, also wenn einer der Seitenzweige die Länge null hätte. Trotzdem belegen sie die Entwicklung vom Fisch zum Vierbeiner.

Von den meisten der dargestellten Arten gibt es nur wenige Exemplare von jeweils nur einem Fundort. Sie hätten also auch ganz unbekannt bleiben können. Von einem noch älteren Vierbeiner hat man nur Fußspuren gefunden und keine Knochen.

Obwohl der Fossilbefund so lückenhaft ist, dass längst nicht alle Zwischenformen darin vorkommen, lässt er doch die Folgerung zu, dass es vor 400 Millionen Jahren keine Landwirbeltiere gegeben hat. In Schichten aus jener Zeit findet man Panzerfische, Muscheln und Trilobiten, aber keine Spur von Vierbeinern.

Tote Gene

Noch klarer als mit Fossilien im Gestein wird die Abstammung durch Fossilien im Erbgut belegt.

Im vorigen Jahr habe ich schon die endogenen Retroviren erwähnt sowie das menschliche Pseudogen für Vitamin C und die Geruchsrezeptorgene bei Walen. Ebenso wie die Wale haben auch die zum Leben ins Meer zurückgekehrten Seeschlangen viele deaktivierte Gene für Geruchsrezeptoren.

Auch Menschen haben solche toten Gene. Diese Grafik ist aus einer Arbeit von Niimura, in der untersucht wird, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Verlust von Geruchsgenen und der Fähigkeit Farben zu unterscheiden. Der Beleg für die gemeinsame Abstammung ist nur ein Nebeneffekt. Eine wissenschaftliche Zeitschrift würde Beweise für die gemeinsame Abstammung von Menschen und Schimpansen gar nicht veröffentlichen, weil das Thema seit vielen Jahrzehnten geklärt ist.

Menschen haben auch ein Pseudogen für das Eidotter, obwohl sie keine Eier legen. Bei eierlegenden Tieren einschließlich des Schnabeltiers ist dieses Gen intakt. Die Gene für Penisknochen sind bei unseren nächsten Verwandten noch aktiv, aber beim Menschen fehlt der Starter.

Weitere Beispiele für Pseudogene gibt es in dieser Arbeit von Hayakawa und anderen. Der Link dazu und zu vielen weiteren im Video angesprochenen Themen befindet sich in der Videobeschreibung.

Links

Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=KtWfIAJmXq8
Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=Ubtssuy1VfE
ERV: http://www.youtube.com/watch?v=rIMdB8T1tmo
Simulation: http://boxcar2d.com/
Hazen, funktionale Information: http://www.pnas.org/content/104/suppl.1/8574.long
Lenski: http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Lenski#E._coli-Langzeite…
Laktose: http://www.faz.net/artikel/C30783/laktose-die-vertraegt-nicht…
Schädel: http://www.talkorigins.org/faqs/homs/compare.html
DNA-Bestandteile: http://sandwalk.blogspot.com/2011/05/whats-in-your-genome.html
Seeschlangen: http://whyevolutionistrue.wordpress.com/2009/12/21/more-evide…
Geruchsgene: http://whyevolutionistrue.wordpress.com/2010/01/18/you-smell-…
Eidotter: http://www.sciencedaily.com/releases/2008/03/080318094610.htm
Pseudogene in Menschen, Hayakawa et al.: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1456212/
OR-Pseudogene, Niimura et al.: http://mbe.oxfordjournals.org/content/early/2010/01/08/molbev…
http://schoepfung-evolution.blogspot.com/2011/05/genesis-und-…

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Diesen Beitrag habe ich von http://kereng.blogage.de/ nach WordPress kopiert.
Hier sind die bisher bei blogage.de aufgelaufenen Kommentare:

Andreas V.

Was will man die Evolutionstheorie beweisen, wenn alle Datierungsmethoden angefangen bei den Historikern, bis zu den Archäologen und Wissenschaftlern Müll, d.h. beliebig und nicht brauchbar sind?

Der C14-Crash: http://www.atlantis-bremer.de/shop/page/2?sessi…=

Der Ceno-Crash: http://www.atlantis-bremer.de/shop/page/2?sessi…=

Die Unmöglichkeit, weiter als 500 Jahre zurück zu datieren.Ausserdem beweist die biologische Abhängigkeit des Erbguts von Affen und Menschen gar nichts: Es ist jedoch eher so, dass die Abstammung des Affens vom Menschen wegen den Katastrophen in unserer Geschichte wahrscheinlicher ist, als umgekehrt.

Über eine mögliche Quelle aller Lebewesen aus einem Genpool kann man diskutieren; Sie liegt aber in der Vorgeschichte, und über diese wissen wir rein gar nichts.

Da der Mensch erst vor ein paar Tausend Jahre auf dieser Welt gestrandet ist, kann die Evolutionstheorie also für diese Erde und diesen Zeitabschnitt nicht richtig sein.

Siehe Atlantis-Bremer:

http://www.atlantis-bremer.de/shop/page/2?sessi…=

Ehrlich gesagt, nehme ich „offizielle“ Wissenschaft schon gar nicht mehr ernst, da sie auf Lügen, Bezahlten Arbeiten und Propaganda beruht. Da erstaunt es auch nicht, wenn irgendwelche Pseudowissenschaftler meinen, die Abstammung des Menschen vom Affen sei schon längstens bewiesen, obwohl das gar nicht richtig ist, und auch der umgekehrte Weg möglich ist.

Andreas V.

C14-Crash = http://www.paf.li/c14crash.pdf
Ceno-Crash = http://www.paf.li/CenoCrash.pdf

Und tschüss Evolution, Kreationismus, Intelligent Design!

kereng

Auch über Dieter Bremer kann man sich bei EsoWatch informieren.

Dieser Beitrag wurde unter Evolution, Kreationismus, Video abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Video: weitere Irrtümer der Kreationisten

  1. Pingback: 2011 | kěrěng

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s