Michael Kotsch über den Gotteswahn

Mal wieder blockiert ein YouTube-Nutzer meine Kommentare, und wieder mache ich stattdessen ein Antwortvideo.

Neulich habe ich ein Video des evangelikalen Theologen Michael Kotsch über Gott und Atheismus angeklickt. Nach anderthalb Minuten kommt er auf das Buch „Der Gotteswahn“ von Richard Dawkins zu sprechen.

<Videoausschnitt>

Kotsch unterstellt Dawkins also drei Fehler:

  1. Dawkins soll geschrieben haben, es könne keinen Gott geben.
  2. Er soll das angeblich mit dem hohen Anteil ungläubiger Wissenschaftler begründen.
  3. Dass es viele ungläubige Wissenschaftler gebe, ist nur eine Behauptung.

Jedenfalls legt die Formulierung „behauptet er zumindest“ nahe, dass im Buch keine Belege gebracht werden.

zu 1

Tatsächlich behauptet Dawkins in „Der Gotteswahn“ nicht, dass die Existenz eines Gottes unmöglich ist. Auf einer Skala von 1=“Ich weiß, dass es Gott gibt“ bis 7=“Ich weiß, dass es keinen Gott gibt“, wählt er für sich selbst die 6.

Kapitel 4 heißt folgerichtig nicht Warum es keinen Gott geben kann sondern Warum es mit ziemlicher Sicherheit keinen Gott gibt.

zu 2

Anders als von Kotsch dargestellt erwähnt Dawkins die ungläubigen Wissenschaftler nicht, um Gott zu widerlegen. Auf meine Nachfrage, wo so ein Zitat stehen soll, bekam ich als Antwort Seitenzahlen genannt, die zu Kapitel 3 gehören: Argumente für die Existenz Gottes. Dawkins weist dort dieses Argument zurück:

Newton war religiös. Wer sind Sie denn, dass Sie sich für klüger halten als Newton, Galilei, Kepler usw. usw. usw. Wenn Gott für die gut genug war, was glauben Sie denn, wer Sie sind!

Dawkins ist selbstverständlich klar, dass die religiösen Ansichten der Mehrheit der Wissenschaftler kaum ein Argument für oder gegen Gott sein können. Er bezeichnet das Argument als von vornherein verfehlt, aber er macht sich doch die Mühe, die Gläubigkeit der Wissenschaftler zu untersuchen.

zu 3

Im Gegensatz zu Kotschs knapper Formulierung „behauptet er zumindest“ untersucht Dawkins mehrere Seiten lang, wie es um die Religiosität der Wissenschaftler steht. Er führt historische Beispiele und persönliche Begegnungen an und zitiert Studien und Metaanalysen.

Kotsch hat also einen Strohmann aufgebaut. Er hat Dawkins eine Argumentation unterstellt, die dieser nie vertreten hat. Ich habe versucht, das in den Kommentaren zum Video klarzustellen, aber mein zweiter Beitrag wurde nicht freigeschaltet. Deshalb habe ich dieses Video hier gemacht, von dem ich nicht annehme, dass es als Antwortvideo akzeptiert wird.

Ich kannte Michael Kotsch vorher nicht, aber er wird immerhin auf Wikipedia als Sekundärliteratur zum „Gotteswahn“ angegeben. Der übliche Vorwurf an Dawkins ist, er würde die Bibel wörtlich nehmen und nur einen primitiven Fundamentalismus attackieren, und dabei die moderne Theologie völlig übersehen. Diese Argumentation steht Kotsch nicht zur Verfügung, weil er die Bibel selber wörtlich nimmt.

Wenn Kotsch Dawkins vorwirft, unsauber zu argumentieren und seine Gegner als Idioten hinzustellen, übersieht er dabei den sprichwörtlichen Balken im eigenen Auge.

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