Evolutionärer Humanismus

Was hat Ethik mit Evolution zu tun?

Es geht nicht darum, dass „Darwinisten“ das „Überleben des Stärkeren“ zum moralischen Grundsatz ihres Handelns erklären. Es wäre offenbar falsch, zu denken, nur weil in der Natur der Starke über den Schwachen siegt, müsse man auch in der menschlichen Gesellschaft dafür sorgen, dass der Schwache dem Starken Platz macht. Zudem geht in der Evolution um das Überleben des am besten Angepassten und nicht um das des Stärksten. Der evolutionäre Erfolg wird nicht an der Kraft, Schönheit oder Intelligenz gemessen sondern an der Anzahl der überlebenden Nachkommen.

Ich befinde auch nicht alles, was durch die Evolution entstanden ist, automatisch für gut. Man darf nicht von Sein auf Sollen schließen. Weil etwas natürlich ist, muss es noch lange nicht wünschenswert sein. Umgekehrt muss unnatürliches Verhalten auch nicht schlecht sein.

Um zu klären, wie trotzdem die Evolution auf die Ethik Einfluss nimmt, wende ich mich anstatt der schwierigen Frage „was sollen wir tun?“ erstmal einfacheren Fragen zu wie „was sollen wir essen?“ und „was sollen wir hören?“. Diese letzte Frage ist leicht zu beantworten. Jeder soll sich die Musik anhören, die er mag, aber nicht so laut, dass er die Nachbarn stört. Jeder soll essen, was ihm schmeckt, aber er soll dabei auf seine Gesundheit, die Umwelt und den Tierschutz Rücksicht nehmen. Die Einschränkungen gehören zum schwierigen Bereich der Ethik, aber was ist mit Vorlieben beim Hören und Essen? Ein Teil davon ist sicher von der Kultur abhängig, in der wir aufgewachsen sind, aber der größere Teil ist in der Evolution entstanden. Uns schmeckt das, was unsere Vorfahren nötig brauchten.

So ist es auch mit dem Grundstock der Moral, der nicht kulturellen Einflüssen folgt. Wer seine Kinder einfach auffrisst anstatt sie zu füttern und zu beschützen, hinterlässt weniger Nachkommen und hat wenig evolutionären Erfolg. Die meisten Lebewesen haben deswegen eine angeborene Hemmung entwickelt, den eigenen Nachwuchs zu fressen. Bei Tieren nennt man das Instinkt und bei Menschen Moral. Auch höhere Gefühle wie Liebe und Mitleid haben diesen evolutionären Ursprung, aber ich traue mir nicht zu, in jedem Einzelfall zu entscheiden, ob eine Vorliebe angeboren oder kulturell bedingt ist.

Was sollen wir also tun? Was ist gut?
Es ist mit dem Essen wie mit der Moral: gut ist, was mir gefällt. Dabei interessiert mich nicht, ob es mir wegen meiner Veranlagung gefällt oder wegen meines kulturellen Umfelds. Jedenfalls muss ich nicht in religiösen Büchern nachlesen, was mir gefallen soll. Leider hat nicht jeder die gleichen Einschätzungen wie ich. Es gibt keine objektive Moral. Sam Harris hat versucht, eine objektive Moral herzuleiten, indem er das für gut erklärt, was das Leiden von Lebewesen mit Bewusstsein minimiert. Man kann sich aber streiten, ob dieser Ansatz selbst objektiv ist, und ob die Einbeziehung von Affen, Elefanten und Delfinen noch das trifft, was allgemein als Moral empfunden wird.

Man braucht keine theoretische oder theologische Herleitung der Moral, weil sie von selbst entsteht und sich entwickelt. So kommt die Evolution noch von einer anderen Seite in den Evolutionären Humanismus: die Ethik durchläuft selbst eine Evolution. Abweichler wie Veganer oder religiöse Fundamentalisten nehmen auf die Gesellschaft Einfluss und können den Zeitgeist ändern, wenn sie ausreichend Zustimmung bekommen. Tatsächlich hat sich der Zeitgeist geändert, seit er in den Zehn Geboten festgeschrieben wurde, und zwar positiv wie ich finde … wie ich finden muss, denn ich bin ja nicht von gestern.

Ist das nun nicht doch der Fehlschluss von Sein auf Sollen, wenn man die Instinkte, von denen man weiß, dass sie nicht der Vernunft sondern der Evolution entstammen als Richtschnur das Handelns zulässt? Nein. Wir sind nunmal Menschen und somit ist es tautologisch, dass wir gut finden, was den Menschen gefällt. Es steht uns zudem frei, auf die Kultur und die Gesetzgebung Einfluss zu nehmen, wenn wir bemerken, dass natürliche Verhaltensweisen besser von der Vernunft überstimmt werden sollten.

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Hier sind die bisher bei blogage.de aufgelaufenen Kommentare:

Gorakan

Unter Evolutionärer Ethik versteht man eine Ethik, die ausgehend von dem Paradigma, dass moralisches Verhalten beim Menschen eine spezielle Form des Sozialverhaltens ist, die Gesetzmäßigkeiten dieses Sozialverhaltens (ausschließlich) durch evolutionäre Mechanismen erklärt und begründet.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Evolutionäre_Ethik

um nicht wie Guttenberg zu enden 🙂

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Eine Antwort zu Evolutionärer Humanismus

  1. Pingback: 2012 | kěrěng

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