Geht’s auch ohne Gott?

Kirche ohne Gott

Im aktuellen Koalitionsvertrag ist über die Kirchen zu lesen:

Sie bereichern das gesellschaftliche Leben und vermitteln Werte, die zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft beitragen.

Das könnte man sich ganz naiv so vorstellen, dass der Papst, die Bischöfe und die Pastoren einen Draht zu Gott haben, auf diese Weise Werte erkennen und diese ans normale Volk weitergeben. Ich kann nur hoffen, dass unsere Regierung das nicht so meint, aber wenn man bedenkt, dass die Kanzlerin ihre Poltik selbst gerne mit Gott bespricht

Im Koalitionsvertrag heißt es weiter:

Die christlichen Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände sind in vielen Bereichen unserer Gesellschaft unverzichtbar, nicht zuletzt im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich, bei der Betreuung, Pflege und Beratung von Menschen sowie in der Kultur. Zahlreiche Leistungen kirchlicher Einrichtungen für die Bürgerinnen und Bürger sind nur möglich, weil die Kirchen im erheblichen Umfang eigene Mittel beisteuern und Kirchenmitglieder sich ehrenamtlich engagieren.

Mir geht es jetzt ausnahmweise nicht um die Frage, wieviel Geld die Kirchen beisteuern und wo sie es her haben. Es geht mir um die angebliche Unverzichtbarkeit. Es ist doch nur eine Frage der Tradition, warum die Kirchen so eine starke Position im Sozialbereich haben. Wohltäter machen bei der Kirche mit, weil sie als alteingesessene Institution einen Vertrauensvorschuss genießt und überall präsent ist.

Der Bildungs- und Gesundheitsbereich hat bestimmt nichts mit Gott zu tun – eher schon die Betreuung, Pflege und Beratung von Menschen. Aber auch in diesen Bereichen halte ich die Kirche nicht für unverzichtbar. Es wäre mir lieber, wenn Menschen in schwierigen Situationen von geschulten Fachkräften betreut werden als von Theologen oder gar von Exorzisten.

Trost ohne Gott

Die größte Wohltat des Glaubens soll ja der Trost sein und die Kraft, die er in schweren Lebenssituationen gibt. Aber auch da stellt sich die Frage: ist Gott dazu nötig? Kann man nicht genausogut Kraft aus dem Glauben schöpfen, wenn man sich Gott und das Leben nach dem Tod bloß einbildet? Ich bin überzeugt, dass kein Gott dem Glaubenden hilft sondern dass der Glaube eine mentale Übung ist, eine Technik ähnlich wie die Meditation oder ein Plazebo. Gott kann man sich wie den Wirkstoff eines Homöopathikums vorstellen: nicht vorhanden, aber macht glücklich.

Als Atheist wird man manchmal gefragt, warum man diesen armen Seelen, die ohne Gott verzweifeln, die Quelle ihrer Kraft wegnehmen will. Es ist unbefriedigend, zuzusehen, wie andere auf falsche Erwartungen vertrauen, und es widerstrebt mir auch, zu sagen, es nützt den einfachen Leuten, aber ich bin weiter. Es ist nicht fein, einem Kind den Schnuller zu klauen, aber wäre es noch überheblicher, die Gläubigen für Kinder zu halten. Wenn sie keine sind, dann sollten sie ohne den Weihnachtsmann auskommen.

Theologie ohne Gott

Jerry Coyne, der seit Jahren erfolglos die anspruchsvoll durchdachte Theologie sucht, wurde vor Kurzem sogar aufgeklärt, dass es in der Theologie gar nicht um Gott geht. Theologie sei etwas Geschichte, Kunstgeschichte, alte Sprachen und Psychologie, aber Gott sei weder Voraussetzung noch Untersuchungsobjekt der Theologie. Wer’s glaubt …

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