Hyänen und der Barnabasbrief

Bei WhyEvolutionIsTrue wurde kürzlich Kevin Richardson vorgestellt, der mit Löwen und Hyänen schmust, und wenig später las ich bei Wired Science einen Artikel über den merkwürdigen „Penis“ der weiblichen Hyänen. Deren Klitoris ist stark vergrößert, woraus der Volksglaube entstand, Hyänen seien Hermaphroditen oder würden jährlich das Geschlecht ändern. Davon berichtete Plinius der Ältere, und der Verfasser des Barnabasbriefs stellte es als Tatsache dar.

Im Gegensatz zum Barnabasevangelium, das eine viel spätere Fälschung ist, entstammt der Brief des Barnabas tatsächlich dem frühen Christentum, auch wenn sein Verfasser nicht mit dem Barnabas aus der Apostelgeschichte identisch ist. Der Inhalt ist zum Brüllen komisch, und es ist schade, dass er, obwohl er einigen Kirchenvätern als kanonisch galt, nur in den Codex Sinaiticus aufgenommen worden ist, aber nicht in die heute übliche Bibel.

Den übersetzten Text gibt es beim Bibelcenter. Im zehnten Abschnitt wird es langsam biologisch interessant:

Wenn aber Moses gesagt hat: Ihr sollet das Schwein nicht essen, noch Adler, noch Habicht, noch Raben, noch einen Fisch, der keine Schuppen an sich hat; so hat er damit in geistigem Sinne drei Lehren gegeben. Ferner sagt er ihnen im Deuteronomium: Und ich werde diesem Volke meine Satzungen darlegen. Es ist also nicht ein Gebot Gottes, nicht zu essen, Moses hat vielmehr im geistigen Sinn gesprochen.

Es wird heutzutage ja als aufgeklärte Theologie angesehen, das alte Testament nicht wörtlich, sondern metaphorisch zu interpretieren. Hier wird ein Nachteil dieser modernen Herangehensweise offenbar. Was „Barnabas“ herausliest, ist mit großer Sicherheit nicht das, was „Moses“ meinte.

Das Schwein nun nannte er in diesem Sinne: der Mensch soll nicht verkehren mit Leuten, die den Schweinen ähnlich sind; denn wenn sie in Fülle haben, vergessen sie den Herrn, wenn sie aber Mangel haben, anerkennen sie den Herrn, genau wie das Schwein; solange es zu fressen hat, kennt es seinen Herrn nicht; wenn es aber Hunger leidet, dann raunzt es, und sobald es bekommen hat, schweigt es wieder.
Auch sollst du nicht essen, sagt er, den Adler, den Habicht, den Geier, den Raben. Er will sagen: Verkehre nicht mit solchen und sei ihnen nicht ähnlich, die nicht wissen, mit Mühe und Schweiß sich das Brot zu verdienen, sondern die in ihrer Gesetzwidrigkeit Fremdes rauben, die zwar scheinbar in Unschuld einhergehen, dabei aber spähen und umschauen, wen sie ausziehen könnten in ihrer Habsucht, genau wie nur diese Vögel sich ihre Nahrung nicht erwerben, sondern müßig sitzend darauf ausgehen, wie sie fremdes Fleisch verzehren können, eine wahre Pest durch ihre Schlechtigkeit.
Auch sollst du nicht essen den Meeraal, den Polypen, den Tintenfisch; er will sagen, du sollst durch deinen Verkehr nicht ähnlich werden solchen Leuten, die gottlos sind bis zum äußersten und jetzt schon dem Tode geweiht, genau wie diese Fischarten allein dazu verflucht sind, in der Meerestiefe zu schwimmen, und nicht bloß untertauchen wie die übrigen, sondern tief unten auf dem Meeresgrund hausen.

Atheisten sind also wie benthische Meerestiere. Damit kann ich leben, wenn auch nicht, wie „Barnabas“ richtig bemerkt, ewig.

Aber auch den Hasen sollst du nicht essen. Weshalb? Er will sagen, du sollst kein Knabenschänder werden noch solchen ähnlich werden, weil der Hase jedes Jahr seinen After vervielfältigt; denn so viele Jahre er lebt, so viele Öffnungen hat er.

Haha! Die Pastoren essen zu viel Hase.

Aber auch die Hyäne sollst du nicht essen. Er will sagen, du sollst kein Ehebrecher oder Knabenschänder oder etwas Derartiges werden. Weshalb? Weil dieses Tier jedjährlich sein Geschlecht ändert und bald männlich, bald weiblich wird.
Aber auch das Wiesel verfolgt sein Haß mit gutem Grunde; er will sagen, du sollst nicht werden wie Leute, von denen man hört, daß sie aus Lasterhaftigkeit mit dem Munde Unzucht treiben, und du sollst nicht mit den verdorbenen Weibern verkehren, die mit ihrem Munde das Böse tun; denn dieses Tier wird durch den Mund schwanger.

„Das Böse“! Hier werden nicht nur biologische Wissenslücken deutlich, sondern auch die sexuelle Verklemmtheit des beinahe-Bibelautors. Ich springe jetzt im Text zu den erlaubten Tieren.

Wiederum sagt Moses: Essen dürft ihr alle Zweihufer und Wiederkäuer.
[…]
Was bedeutet aber Zweihufer? Daß der Gerechte sowohl auf dieser Welt wandelt als auch die selige Ewigkeit erwartet. Ihr sehet, wie trefflich Moses seine Gesetze gegeben hat. Aber woher sollten jene das erkennen und verstehen? Wir aber haben die Gebote recht verstanden und reden darüber so, wie der Herr es wollte. Deshalb hat der Herr unsere Ohren und Herzen beschnitten, damit wir dieses verstehen.

„Jene“, das sind die Juden, die „Barnabas“ auf dem Kieker hat, weil sie Jesus nicht verehren und überhaupt nichts verstehen. Damals wusste das Christentum noch nicht, dass es eine tolerante Religion ist. Über die Beschneidung schreibt er in einem der oberen Abschnitte:

Und wiederum sagt er: Höret, Kinder, die Stimme des Rufenden in der Wüste. Also hat er unsere Ohren beschnitten, damit wir das Wort hören und dann glauben. Aber auch die Beschneidung, auf die sie vertraut haben, ist abgeschafft. Er sagt nämlich, die Beschneidung solle nicht am Fleische geschehen; sie aber handelten dagegen, weil ein böser Engel sie beschwatzte.

Das finde ich anatomisch auch wieder bedenklich, dass man an den Ohren was abschneiden muss, um das Hörvermögen zu verbessern. Wer ist eigentlich dieser „er“, und wo hat „er“ gesagt, die Beschneidung solle nicht am Fleische geschehen? Ich finde da nur Jeremia: „Beschneidet euch dem HERRN und tut weg die Vorhaut eures Herzens“. Wenn wirklich im Alten Testament stehen sollte, dass man nichts vom Körper abschneiden soll, wäre das für die Beschneidungsdebatte interessant, aber ich glaube es eigentlich nicht. Das hätte doch längst jemand hervorgebracht.

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