Ist Mohammed oder Jesus historisch besser belegt ?

Jay Smith kündigt an, dass er mit seinem gut einstündigen Vortrag „A Historical Critique of Islam’s Beginnings“ den Islam widerlegen werde, und zwar so gründlich, dass jedem halbwegs ehrlichen Muslim nichts anderes übrig bleibt, als seine Religion aufzugeben. Das Christentum wäre jedenfalls am Ende, wenn die Wahrheit der Bibel ebenso anfechtbar wäre: „We fall if the Bible is not true“.


Er referiert dann ganz vernünftig die Geschichte des frühen Islam, wie sie überall gelehrt wird, und weist darauf hin, wann sie überliefert wurde und von wem. Der Koran soll im Jahr 650 niedergeschrieben worden sein, die Lebensgeschichte (Sunna) Mohammeds erst 765, also 133 Jahre nach seinem Tod (632), durch Ibn Ishaq. Diese Biographie ist aber nicht vollständig erhalten, sondern nur eine Bearbeitung durch Ibn Hischam, aus der unliebsame Episoden entfernt worden waren. Die Hadithe (Aussprüche des Propheten) wurden erst 870 von al-Buchari gesammelt, wobei auch er nach seinem Gutdünken auswählte. Der erste Korankommentar von al-Tabari entstand erst 923.

Es dauerte also über 200 Jahre, aufzuschreiben, wie der Islam entstanden ist. Keiner der Autoren kannte Mohammed, und sie lebten alle weit von Mekka entfernt.

Von Jesus hingegen, so Jay Smith, haben wir vier Biographien, die schon nach 40 bis 60 Jahren aufgeschrieben wurden, zwei sogar von Augenzeugen (Johannes und Matthäus). Das ganze Neue Testament sei im ersten Jahrhundert entstanden. Im Gegensatz dazu sei der Islam langsam konstruiert worden, wahrscheinlich von Abd al-Malik, durch Erfindungen und Hörensagen.

Was finden wir in Quellen aus dem siebten Jahrhundert? Der Name Mohammed taucht 691 zum ersten Mal auf. Ungefähr gleichzeitig ist auch zum ersten Mal von Muslimen und vom Islam zu lesen. Es gab in dem Gebiet, das der Islam angeblich erobert hatte, doch so viele Schreibkundige. Warum hat keiner über Mohammed und die Muslime geschrieben?

Die angebliche Handels- und Pilgermetropole Mekka ist, vom Koran abgesehen, erst 741 schriftlich erwähnt. Jay Smith sieht einige geografische Probleme mit dem Koran. Die dortige Beschreibung von Mekka würde viel besser auf die Stadt Petra passen. Auch seien die ältesten Moscheen auf Petra ausgerichtet, und der im Koran erwähnte Wechsel der Gebetsrichtung passt zeitlich nicht zum Wechsel in der Ausrichtung der Moscheen.

Von den ältesten Koranen ist kaum ein Fragment sicher dem siebten Jahrhundert zuzuordnen und erst recht kein vollständiges Exemplar. In den ältesten Fragmenten finden wir zahlreiche Abweichungen zum heutigen Koran.

Den Analysen von Jay Smith stimme ich größtenteils zu. Einige Details decken sich nicht mit meiner Einschätzung. Hat Abd al-Malik wirklich eine entscheidende Rolle bei der Entstehung des Islam gepielt? Lassen sich die legendären Völker Ad und Thamud sicher lokalisieren? Waren die Moscheen (Kirchen?) tatsächlich auf Petra ausgerichtet oder vielleicht auf Jerusalem? Aber das sind Kleinigkeiten.

Bedenklich wird es, wenn Smith von der Bibel redet, die noch weniger als der Koran ein zusammenhängendes Buch ist, sondern eine willkürliche Sammlung unterscheidlicher Texte, deren Umfang von den verschiedenen Kirchen bis heute unterschiedlich festgelegt wird. Er vertritt die vorsintflutliche Meinung, dass die Evangelisten wenigstens zum Teil mit den Jüngern Jesu identisch sind.

Bei Youtube gibt es auch Vorträge, die zeigen, wo man landet, wenn man die Methoden auf die Bibel anwendet, die Smith auf den Koran und den Islam beschränkt.

David Fitzgerald beginnt den knapp einstündigen Vortrag „Examining the Existence of a Historical Jesus“ mit den historischen Widersprüchen in den Evangelien (Volkszählung, Herodes). Dann bemerkt er das Schweigen der zeitgenössischen Chronisten zu Ereignissen, mit denen Jesus Aufsehen hätte erregen müssen (Vertreibung der Geldwechsler aus dem Tempel, Ereignisse bei Tod/Auferstehung). Es gab doch so viele Historiker. Warum hat keiner über Jesus und die Christen geschrieben, nicht mal solche Historiker, die sich auf Sekten spezialisiert hatten?

Im Gegensatz zu den Behauptungen von Jay Smith haben keine Augenzeugen irgendetwas über Jesus geschrieben. Der oft genannte Flavius Josephus schrieb erst 60 Jahre nach der angeblichen Kreuzigung, und was dort über Jesus steht, ist ziemlich klar als Fälschung durch Eusebius von Caesarea erkannt worden. Ebenso wie die Muslime wurden die Christen in ihrem ersten Jahrhundert gar nicht erwähnt. Von Eusebius kennen wir auch einen Rat, der über die islamische Taqqiya (Notlüge) hinausgeht: „Es ist manchmal notwendig, die Unwahrheit als ein Heilmittel zum Nutzen jener einzusetzen, die solcher Behandlung bedürfen.“

Die vier Evangelien widersprechen sich, vor allem bezüglich dessen, was am Grab geschah, aber auch beim Charakter und bei den Lehren Jesu. Selbst konservative Gelehrte sehen nicht mehr irgendwelche Jünger als Autoren an, und die Hälfte der Paulusbriefe ist nicht von Paulus, der Jesus ohnehin nie getroffen hat.

Die Evangelien waren im ersten Jahrhundert noch nicht bekannt. Aus der Vielzahl der Schriften wurden erst 180 vier Evangelien als kanonisch ausgewählt. Die Sprache ist Griechisch und nicht das im Umfeld von Jesus zu erwartende Aramäisch. Die geografischen Angaben im Markusevangelium, aus dem sich die anderen bedienen, sind fehlerhaft, was zeigt, dass die Biographen von Jesus nicht nur zeitlich sondern auch räumlich weit entfernt waren – wie bei Mohammed. Man sieht den Texten an, dass wie der Koran auch die Evangelien nach ihrer Erstfassung bearbeitet wurden.

Paulus war schon seit Jahrzehnten tot, als die Evangelien geschrieben wurden. In seinen Briefen wird gar kein Mensch beschrieben, der gerade in Palästina gelebt hat, sondern ein Mythos. Jay Smith hatte angemerkt, dass im Koran kaum was über den Menschen Mohammed steht. Nichts über seine Familie, seinen Wohnort, seinen Beruf. Dasselbe kann man über Jesus in den Paulusbriefen sagen. So wie die Details über Mohammed erst in der Sunna und den Hadithen bekannt werden, erfährt man Einzelheiten über Jesus erst in den viel später verfassten Evangelien. Wie Paulus in der Entstehung des Christentums einzuordnen ist, zeigt der folgende einstündige Vortrag von Dr. Richard Carrier: „Why I Think Jesus Didn’t Exist: A Historian Explains the Evidence That Changed His Mind“.

Diesmal versuche ich nicht, den Inhalt zusammenzufassen, weil es vom eigentlichen Thema wegführt, nämlich, wie Jay Smith Forschungen ignoriert, die seinem Glauben schaden, wohingegen er hellwach ist, wenn es gegen den Islam geht. Nur so viel: Richard Carrier distanziert sich von laienhaften Ansätzen (damit meint er wohl Timothy Freke und Peter Gandy sowie den Film Zeitgeist), aber er hat mindestens ebenso aufregende Erkenntnisse zu berichten. Zum Beispiel soll Philo von Alexandria von einem kosmischen Jesus (min 23:25) geschrieben haben, schon bevor es das Christentum gab.

Nachtrag 26.7.2014:
Richard Carrier hat also bei Philon einen himmlischen Hohenpriester gefunden, der ein erstgeborener Sohn Gottes ist und »Jesus« heißt. Tatsächlich lautet die Stelle bei Philon („De confusione linguarum“) in meiner Übersetzung aus dem Englischen:

(62) Ich habe auch von einem Gefährten des Moses gehört, dass er folgende Rede gesprochen habe: „Siehe, ein Mann dessen Name »Osten« ist!“ Eine ganz ungewöhnliche Bezeichnung, wenn man denkt, dass sie sich auf einen Mann bezieht, der aus Körper und Geist zusammengesetzt ist; aber wenn man es so auffasst, dass ein körperloses Wesen gemeint ist, das in keiner Hinsicht vom Bild Gottes abweicht, muss man zustimmen, dass ihm der Name »Osten« mit großer Wortgewandtheit gegeben worden ist. (63) Denn der Vater des Universums hat ihn als ältesten Sohn hervorkommen lassen …

»Jesus« kommt nicht vor, aber der Mann, dessen Name »Osten« ist, ist ein Zitat aus Sacharja 6,11, und dort gibt es einen »Jeschua«:

… kröne das Haupt Jeschuas, des Hohenpriesters, des Sohnes Jozadaks, 12 und sprich zu ihm: So spricht der HERR Zebaoth: Siehe, es ist ein Mann, der heißt »Spross«; denn unter ihm wird’s sprossen, und er wird bauen des HERRN Tempel.

»Osten« und »Spross« sind tatsächlich Übersetzungen desselben Wortes, in der Septuaginta »Anatoli«, in der Vulgata »Orient«. Aus der Sacharja-Stelle geht nicht klar hervor, ob »Jeschua« und »Spross« derselbe sind. Wenn ja, dann hat Richard Carrier recht, dass dieser älteste Sohn, der dem Bild Gottes entspricht, »Jesus« heißt, denn das ist ja griechisch für »Jeschua«. Allerdings findet Philon »Osten« viel interessanter und erwähnt den Namen »Jesus« nicht.

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3 Antworten zu Ist Mohammed oder Jesus historisch besser belegt ?

  1. WarnerVorDemFeuer schreibt:

    Es gibt keinen Anbetungswürdigen außer Allah und Muhammad ist sein Prophet!

    Belege: Koran, Sunna

    Somit habe ich euch die Kernbotschaft überbracht. Wenn ihr sie nicht annehmen oder zumindest mit aufrichtigem Herzen nachforschen wollt, so ist das nur zu eurem eigenen Schaden und ihr landet zwangsläufig für ewig im Höllenfeuer. Wie der Allmächtige Gott (Allah ist sein Name), der die Menschen erschuf, im Koran spricht.

    Weit in der Irre und ohne den schönsten Genuss überhaupt, den Glauben an ALLAH, sinniert ihr über die Religion des Allerhabenen ohne jegliche Scham. Möge er euch rechtleiten. Amin.

    Allah spricht sinngemäß in seinem edlen Buch, dass wer nicht als Muslim (gottergebener Mensch, der den Monotheismus verwirklicht) stirbt, für ewig in der Hölle landet. Unermessliche Qualen gibt es darin, die er erleiden wird, die im Koran ausführlich beschrieben werden.

    Und was diesen Jay Smith angeht. Bitte sehr:

    http://www.islamic-awareness.org/History/Islam/Dome_Of_The_Rock/qibla.html

    Muhammad, der Islam und der Koran sind außerdem hervorragend belegt. Ich habe mal von einem hasszerfressenden Islamhasser gelesen, der all die zahlreichen historischen Belege mit abenteuerlichen Erklärungen anscheinend widerlegen wollte. An ein Beispiel für solche „Widerlegungen“ erinnere ich mich noch: „Könnte auch später interpoliert worden sein.“ LOL..

    Im Koran steht sinngemäß, dass er auf Arabisch offenbart wurde. Es steht weiterhin, sinngemäß, dass sie (also die Ungläubigen) jedoch auf eine fremde Sprache hindeuten. Manche führt Allah so weit ab in die Irre, dass sie selbst das Glaubensbekenntnis in einer fremden Sprache mutmaßen, obwohl es grammatikalisch einwandfreies Arabisch ist. Genauso legen sie alles genau auf die falsche Weise aus, was und wie man es nur falsch auslegen kann. Welch eine Verirrung und Dunkelheit, in der sie sich befinden! Aber da Allah gerecht ist, sind sie durch ihre Missetaten (z. B. ihren Groll gegen ihren Schöpfer oder ihren Hochmut) selbst daran Schuld, dass sie nichts erkennen können oder aber gar nicht erst erkennen dürfen (bzw. nur genau das Falsche in der Mehrdeutigkeit). Auch spricht der Hocherhabene sinngemäß in seinem edlen Buch, dass der Koran eindeutige sowie mehrdeutige Verse enthält.

    Wen Allah, der Barmherzige, nun rechtleitet, den kann niemand in die Irre führen und umgekehrt. Was gibt es denn für eine größere Glückseligkeit als bei Allah? Aber niemand kann das verstehen, der es nicht selbst erleben durfte. Ein vollkommen Farbenblinder wird niemals die Prächtigkeit und Schönheit von Farben auch nur annähernd verstehen können, egal wie gut die Erklärungen auch sein mögen.

    Jetzt, wo ich das Ausmaß der Verirriungen sehe, fließen Träne meiner Wange entlang, in Gedenken an Allah. Ich danke ihm, dem Herrn der Welten. Möge er euch und mir die Wahrheit als Wahrheit und die Falschheit als Falschheit erkennen lassen. Amin.

    PS: Ich rede den Blogautor keineswegs mit dem Pluralis Majestetis an, vielmehr richtet sich mein Beitrag an sämtliche nichtmuslimischen Leser insgesamt.

    PPS: Soweit mir bekannt ist, gibt es weitaus frühere Hadithsammlungen. Zudem wählte Bukhari nicht nach „Gutdünken“ aus.
    PPPS: Da ich dies hier nur zufällig gefunden habe, könnt ihr euch eine Antwort sparen.
    PPPS: Noch etwas zu dem Kritikpunkt „7“, den ich hier in einem anderen Beitrag vorhin kurz las: Die 7 könnte eine besondere Zahl sein, da sie in der Geschichte, auch in der frühen Menschheitsgeschichte, oft vorkam. Gott ließ die Menschen schon in früheren Kulturen erkennen, und dies auf unterschiedlichen, vor allen Dingen astromischen Wegen (Plejaden usw.), dass es 7 Welten gab. Auch gab es dort höchst unterschiedliche Vortstellungen darüber. Einig war man sich aber durchaus (zumeist) über die Anzahl (auch in der Bibel gehen manche Forscher von 7 gemeinten Himmeln aus), auch wenn die Menschen und Kulturen über die Beschaffenheit nicht bescheid wussten oder sich uneinig darüber waren. Wieso sollte es eigentlich keine „göttlichen Zahlen“ geben, die in der Schöpfung besonders häufig oder an besonderen Stellen auftauchen bzw. von Gott damit bedacht wurden? Oder aber sie steht im Koran al Karim für eine unbestimmte größere Menge (wie bei uns „100“), wie man an einigen anderen Stellen genauso „berechtigt“ erahnen kann. Manche werden dadurch vielleicht irregeleitet, weil sie dem Koran hier abermals vorwerfen: „Fabeln der Alten“ zu enthalten (wie es so schön in einer Übersetzung steht). Ja, Allah leitet irre und man kann dem Koran an einigen Stellen sogar entnehmen, wie die Menschen beispielsweise in die irre gehen. Trotzdem sind sie machtlos und können rein gar nichts dagegen tun, so Gott es will.

    Hebt die Hände Richtung Himmel und bittet Allah um Rechtleitung und Vergebung.

  2. WarnerVorDemFeuer schreibt:

    Noch einmal: Ich habe mich einmal mit dem auch hier besprochenen geozentrischen Weltbild befasst, das dem Koran hier ja ebenso vorgeworfen wird.

    Mein Ergebnis: Absolut jeder der angeprangerten Verse lässt sich ebenso mühelos mit dem modernen Weltbild in Einklang bringen. Absolut faszinierend: Es gibt nicht die geringsten Schwierigkeiten auf naturwissenschaftlicher Ebene!

    Welches Buch vermag dies außerdem (eine rhetorische Frage, da ich hier wohl nicht mehr anwesend sein werde)? Zudem werden durch diese Tatsache abermals unglaublich viele rechtgeleitet, aber eben auch irregeleitet.

    Ein Beispiel ist das mit dem angeblichen Ende der Welt im Koran. Manche verweisen hier wieder auf die „Fabeln der Alten“, nach derer es sich auf jeden Fall um ein geozentrisches „Ende der Welt“ handeln sollte. Andererseits lieftert der Koran an anderen Stellen eindeutige Belege, dass mit dem darin verwendeten Wort – „Erreichen“ – der Zeitpunkt, nicht aber der Ort des Sonnenaufgangs/untergangs gemeint ist bzw. gemeint sein muss. Ferner kann sich ein Präfix in diesem Vers auf den Ort ODER aber die Zeit beziehen. Genauso kann sich der Inhalt selbst, ebenso hervorragend wie logisch auf die Zeit beziehen. Schon erstaunlich, dass die Islamkritiker die eine der Auslegungsarten absolut lieben, während (moderne) Muslime aber genau die anderen präferieren. Nun könnte man unsachlich einwenden, dass Muslime sich vieles gerne „zurechtbiegen“. Dies kann ich bei den modernen naturwissenschaftlichen Auslegungen der Verse jedoch absolut nicht bestätigen (wenn man einmal von vielen dieser sogenannten „Koranwunder“ einmal absieht). Beide Auslegungsarten (also sowohl die der störrischen Ungläubigen als auch die der Muslime) sind möglich und sinnvoll, wie ich am Beispiel mit dem scheinbaren „Weltendene“ insh Allah ta’ala verdeutlichen konnte.

    Fragt euch bitte einfach: Welches Buch vermag dies außerdem, in jeder erdenklichen Zeitepoche den jeweiligen „Wissenstand“ der Menschheit zu entsprechen?

    • Suche nachWahrheit schreibt:

      Mit welch wunderbarer Schlichtheit des Geistes muss man „gesegnet“ sein, dass man selbstreferenziell Zirkelschluss um Zirkelschluss bemüht, um sich seiner eigenen Position zu versichern. Das finde ich schade. Ich hatte den obigen Artikel so verstanden, dass einseitiges und weltanschaulich geleitetes Durchforsten von wissenschaftlichen Ansätzen eine Sackgasse ist. Der Koran, da kann man mir sagen was man möchte, ist genauso eine historische Quelle wie jedes andere Buch auch. Über darüber hinausgehende Qualitäten brauchen wir uns hier nicht zu streiten, da jeder seine Sichtweise hat und er ihn entweder als das ultimative Wort Gottes sieht (aber nicht das einzige – da im Koran ja durchaus steht, Gott habe den Juden die Thora und den Christen das Evangelium zum Heil gegeben! Eine Stelle, die Muslime gerne überlesen… 😉 Ist das eigentlich ein respektvoller und gebürlicher Umgang mit dem Wort Gottes??????), oder aber eine spätantike, syro-aramäische christliche Häresie, die sozusagen in den darauffolgenden Jahrhunderten Amok gelaufen ist und aus der dann über Jahrhunderte der Islam mutiert ist, der mit der ursprünglichen Intention rein gar nichts mehr zu tun hatte. Wie auch immer man den Koran also sieht (vor allem religions- und philosophiegeschichtliche Vergleiche der Korantexte mit Texten der Gnosis und des Philosophen Plotin machen hier Sinn), er bleibt eine historische Quelle, die eine Geschichte hat. Und wer die Mär vom uthmanischen Kanon glauben mag, der möge es tun, aber diese Sagengestalt, die als mächtiger Herrscher über den Orient so gar keine Spuren hinterlassen hat, taugt nicht wirklich als „Herausgeber“ eines ersten Koran. Und die dutzenden abweichenden Texte, die zum Teil sehr erhebliche Varianten aufweisen (bis zu 50% des Textes weichen von heutigen Ausgaben ab!) sind Fakt. Die kann niemand hinwegdiskutieren. Oder sind die nur ein übles Täuschungsmanöver Allahs, um die Ungläubigen zu verwirren? Muhahah, da beißt sich die Katze mal wieder in den Schwanz! Kann sein, dass viele religiöse Menschen solche „Argumentationen“ benötigen, aber wissenschaftlich befriedigend ist das nicht! Und warum behaupten so viele Religionen immer wieder, dass ihre Erkenntnisse besser seien, als die der Wissenschaften? Wollen deren Götter nur die Idioten überzeugen? Herzlichen Glückwunsch – der Plan scheint aufgegangen zu sein!
      Die meisten religiösen Menschn könnte man ernster nehmen, wenn sie gewillt wären, einmal ihren Verstand einzusetzen und ungewohnten Gedanken erst einmal eine Chance geben würden, statt in ihren heiligen Schriften immer und immer wieder nur das entdecken zu wollen, was sie sowieso schon längst als ihre eigene Position definiert haben. Eigentlich müsste das Wort Gottes doch nur dann gesprochen werden, wenn es die Menschen aufrütteln soll. Wie passt das dann zusammen, mit dieser unglaublich selbstgefälligen Art religiöser Menschen, die es nur bemühen, um ihre (häufig kranke) Sicht der Welt damit zu unterfüttern. Wenn denn Jesus eine historische Person war, wurde er dann nicht gerade von den religiösen Eliten seiner Zeit ans Messer geliefert, weil
      er anders war als „die Schriftgelehrten“, weil „er mit Vollmacht sprach“. Und genau das meine ich! Und in kaum aéiner anderen Religion habe ich jemals so viel Selbstgefälligkeit und Arroganz angetroffen, wie im Islam – naja, einige Evangelikale und erzkatholische Reaktionäre können da auch noch fast mithalten… 😉
      Naja, nichts für ungut. Die gesamte Fragestellung hier ist jedenfalls für Muslime (Muslim ist übrigens nur die arabische Übersetzung des griechischen Wortes „orthodox“ – daher ist es wenig verwunderlich, dass das Wort „Muslim“ schon früh erwähnt wird – aber das nur nebenbei!) Gift, da sie ja sowohl an Isa (Jesus) als auch an Mohammed glauben. Egal welcher von beiden fällt: Für den Islam eine Katastrophe…
      Noch eine kleine Frage zum Thema Authetizität des Koran: Erst ab dem späteren Mittelalter gab es eine vokalisierte Version des Koran. Wer hat denn festgelegt, welche Vokalzeichen intrapoliert werden? Nach welchen Kriterien? Wahre Interessierte an diesen Texten müssten sich genauso auf die Suche nach den verlässlichsten Texten machen, wie es Bibelwissenschaftler mit der historich-kritischen Methode bei der Bibel gemacht haben. Aber da ist auf islamischer Seite völlig tote Hose. Nicht einmal ansatzweise der Wunsch nach wissenschaftlich nachvollziehbarem Verständnis der eigenen Texte und Traditionen – außer bei M. Sven Kalisch und Mouhanad Khorchide – aber diese Leute wurden ja bereits abgeschossen bzw. kamen durch ihre Forschungen z.T. zu dem Ergebnis, dass der Islam durch und durch aburd ist und haben ihn daraufhin verlassen (Khorchide noch nicht, aber wenn die islamischen Verbände diesen sympathischen Wissenschaftler weiter in die Mangel nehmen, dann ist es nur eine Frage der Zeit…)

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