Update zur Historizität von Jesus und Mohammed

Seit meinem Artikel zur Historizität von Jesus und Mohammed vom 22.07.2014 sind im Internet einige interessante Artikel erschienen. Ich habe schon seit Monaten vor, etwas darüber zu schreiben, aber das scheiterte bislang an meinem Anspruch, vorher genau zu recherchieren. Hat Karl-Heinz Ohlig oder Volker Popp etwas über die Inschriften mit dem Namen Umar geschrieben? Wird Mohammed in der Verfassung von Medina stets nur Abu’l Qasim genannt? Ist es sicher, dass Paulus die Christen zunächst verfolgte, oder könnte das eine nachträgliche Ergänzung seiner Briefe sein? Um überhaupt mal fertig zu werden, belasse ich es beim Zweifel.

Richard Carrier, der wichtigste Vertreter der Meinung, Jesus hätte nie gelebt, wurde immer wieder nach seiner Einschätzung gefragt, ob auch Mohammed nie gelebt hat. Er antwortet darauf vernünftigerweise, dass er ein Experte für die Entstehung des Christentums sei, aber nicht für die des Islams. Trotzdem zeigt er sich gut informiert und gibt einen guten Überblick über die wichtigsten Gedanken und archäologischen Fundstücke.

In den Kommentaren dazu wird darauf hingewiesen, dass Ali und Aisha gewusst haben müssten, ob Mohammed existierte. Da sie sich nicht besonders grün waren, hätten sie Mohammed wohl kaum gemeinsam erfunden.  Die von Karl-Heinz Ohlig und Volker Popp in den Inarah-Bänden vertretene Theorie besagt, dass nicht nur Mohammed, sondern auch Aisha, Ali, Fatima, Hassan und Hussein sowie die Kalifen Abu Bakr, Umar und Uthman allesamt erfunden sind. Erst Muawia sei historisch.

Carrier erwähnt die Verfassung von Medina, die in den Inarah-Bänden, so weit ich mich erinnere, nicht diskutiert wird. Ich hatte mir mal gemerkt, dass anstatt „Mohammed“ dort nur der Beiname „Abu’l Kasim“ vorkommt. Die Quelle habe ich jetzt aber nicht wiedergefunden. Stattdessen habe ich gelesen, dass die Verfassung von Medina durch Ibn Izhak überliefert wurde, wenn auch nicht durch ihn allein. Die Echtheit ist jedenfalls alles andere als gesichert.

Außerdem erwähnt Carrier neuere Funde mit Graffiti des Namens ʿUmar bin al-Khaṭṭāb. Ein Name allein bestätigt noch keinen Kalifen, aber eine andere Inschrift datiert sich selbst „zu der Zeit als Umar starb, im Jahr 24“. Diese früher gefundene Erwähnung Umars hätte einen Kommentar in den Inarah-Bänden verdient, wo es um die Historizität der ersten vier Kalifen geht. Ich kann mich aber an keine erinnern.

Carrier erwartet mit Spannung das Erscheinen eines angekündigten Buches von „Muhammad“ Sven Kalisch. Dem kann ich mich nur anschließen. Bis dahin muss man mit einen Aufsatz von Kalisch vorlieb nehmen.

Im frühen Christentum haben wir ähnliche Probleme. Nicht Jesus oder einer seiner Jünger ist historisch belegt, sondern erst Paulus, denn irgendwer muss ja wenigstens die als echt geltende Hälfte der Paulusbriefe geschrieben haben.  Die Apostelgeschichte enthält eine Namensänderung von Saulus zu Paulus, und letzterer nennt den Simon „Petrus“ aus den Evangelien „Kephas“, was ebenfalls „Stein“ bedeutet (Aramäisch).

Namensänderungen finde ich immer verdächtig. Ob nun von Abram zu Abraham, von Sarai zu Sarah, von Jakob zu Israel, von Saulus zu Paulus, von Simon zu Kephas oder Petrus, von Mohammed zu Abu’l Qasim oder von Yathrib zu Medina.

Auf der Seite Salon.com hat Valerie Tarico im Juli 2015 die fünf wichtigsten Gründe aufgeführt, zu vermuten, dass Jesus nie gelebt hat. Darunter finde ich am überzeugendsten, dass die Fachleute sich nicht einig sind, wer Jesus gewesen sein soll: Bestätiger oder Aufheber des Alten Testaments? Pazifist oder Revoluzzer? Wunderheiler, selbsternannter Messias, ein Wanderprediger unter vielen?

Nachtrag: Kaum hatte ich nach langem Zögerm diesen Beitrag aufgeschrieben, fand ich bei Jerry Coyne etwas Neues zum Thema. Er verlinkt einen Aufsatz von Brian Bethune bei MacLean’s vom 23. März, in dem es um ein neues Buch von Bart Ehrman geht:  Jesus Before the Gospels: How the Earliest Christians Remembered, Changed, and Invented Their Stories of the Savior. Ehrmann wendet neue Erkenntnisse bezüglich der menschlichen Erinnerungsfähigkeit auf die angebliche mündliche Weitergabe von Worten und Taten Jesu an. Bethune und Coyne finden, dass Ehrmann, nachdem er erkannt hat, dass die Evangelien nicht glaubwürdig sind, auch darauf verzichten sollte, in ihnen einen wahren Kern zu vermuten. Bethune erwähnt außerbiblische Quellen früher Christen, in denen Jesus nicht unter Pilatus getötet wurde, sondern deutlich früher oder später.

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