Können Muslime und Christen Freunde sein?

Unter dem obigen Titel veranstaltete heute im Kulturladen Hamburg-Hamm die „Neue Gesellschaft – Vereinigung für politische Bildung e.V.“ einen Vortrag mit Diskussion. Der Redner war Dr. Mohammed Khalifa, Dozent am Asien-Afrika-Institut.

Für diese Veranstaltung hätte sich die Neue Gesellschaft keinen Islamwissenschaftler einladen müssen. Ein Imam hätte es auch getan.

Dr. Mohammed Khalifa pickte sich aus dem Koran nur Stellen raus, die Gemeinsamkeiten zwischen Muslimen und Christen darstellen, und ergänzte sie mit ebensolchen Legenden aus der islamischen Traditionsliteratur, die er als historische Wahrheit vortrug. Dann zeigte er um die zwanzig Bilder aus seiner Heimat Ägypten, die ein friedliches Zusammenleben oder sogar gegenseitige Unterstützung illustrierten.

Für die Fragen der etwa 40 Zuhörer war leider zu wenig Zeit. Ich fragte ihn, warum er die Frage „Können Muslime und Christen Freunde sein?“ nicht einfach aus dem Koran beantwortete: „Ihr Gläubigen! Nehmt euch nicht die Juden und die Christen zu Freunden!“. Er sagte, das müsse man im Kontext sehen, es seien solche Juden und Christen gemeint, die Mohammeds Feinde in die Stadt Medina gelassen hätten. Als ich verifiziert hatte, dass die Verse um 5:51 herum ganz allgemein waren und seine Interpretation nicht unterstützten, war keine Zeit mehr für Fragen.

Eine Frau fragte, wie es denn mit dem islamischen Frauenbild sei, und ob der Koran das Kopftuch vorschreibe. Dr. Mohammed Khalifa holte weit aus, dass der Islam zunächst ein Segen für die Frauen gewesen sei, die vorher kein Recht auf Erbe gehabt hatten. Einige Stämme in der Nähe von Mekka hätten neugeborene Mädchen lebendig begraben, weil Frauen so gering angesehen waren. Und der Koran würde nur anständige Kleidung vorschreiben, kein Kopftuch.

Da hätte ich gerne gefragt, wie es ohne Erbrecht möglich war, dass Mohammed eine reiche Witwe heiratete. Über die lebendig begrabenen Mädchen hätte ich gerne eine wissenschaftliche Meinung gehört, weil ich vermute, dass arabische Erzähler die Geschichte wegen zwei Koranstellen (16:58,59; 81:8) erfunden haben und keine historischen Belege existieren.

Was das Kopftuch im Koran angeht, hat Khalifa sogar recht. Es steht nur da: „Sie sollen ihre Chumur über ihre Dschuyub schlagen“ (24:31), wobei Chumur allgemein als Kopftuch interpretiert wird, aber auch andere Bedeutungen haben kann.

Wegen der knappen Zeit war es auch unmöglich, die Diskussion auf die Frage auszuweiten, ob Muslime und Atheisten Freunde sein können. Dazu einige Koranstellen:
3:28. „Die Gläubigen sollen sich nicht die Ungläubigen anstatt der  Gläubigen zu Freunden nehmen“
2:191 „denn die Verführung (zum Unglauben) ist schlimmer als Töten“
8:55 „Wahrlich, schlimmer als das Vieh sind bei Allah jene, die  ungläubig sind und nicht glauben werden“

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