Veranstaltungen

Diese Veranstaltungshinweise stehen im Blog immer ganz oben.
Der neueste Artikel folgt darunter.

Wie viel Astronomie steckt in einem Glas Bier?
Skeptics in the Pub mit Florian Freistetter
15.08.2017, 19:30 Uhr, Eintritt frei
Centro Sociale (Sternstraße 2, 20357 Hamburg)

Science Slam in Hamburg
13.09.2017, 20:30 Uhr, Einlass 19:30 Uhr, Eintritt 10 Euro
Uebel & Gefährlich, Feldstraße 66, Hamburg

Stammtisch der Giordano Bruno Stiftung Hamburg
Donnerstag, 14.09.2017, 19:00 Uhr,
Abaton Bistro, Grindelhof, Hamburg

Stammtisch der Giordano Bruno Stiftung Hamburg
Donnerstag, 28.09.2017, 19:00 Uhr,
Abaton Bistro, Grindelhof, Hamburg

Klima-Slam im Mojo Club
Science Slam meets 9. Hamburger Klimawoche
28.09.2017, 20:00 Uhr, Einlass 19:00 Uhr, Eintritt 10 Euro
Mojo Club, Reeperbahn 1, Hamburg

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Auf dem Grund des Bechers wartet Gott

Häufig liest man im Internet dieses angebliche Heisenberg-Zitat:

Der erste Schluck aus dem Becher der Wissenschaft führt zum Atheismus, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.

oder

Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grunde des Bechers wartet Gott.

In politikforen.net wusste es jemand ganz genau:

„Der erste Schluck aus dem Glas der Naturwissenschaft führt zum Atheismus. Aber auf dem Grund des Glases wartet Gott.“, schrieb besagter Werner Heisenberg im Dezember 1964, als Nobelpreisträger für Physik.

In Wikiquote meldete sich 2015 Dr. Eike Christian Hirsch zu Wort:

Der Spruch, der Werner Heisenberg (1901-1976) zugeschrieben wird, ist eine fromme Fälschung, die den berühmten Physiker zum Glaubenszeugen machen soll. Er hat aber weder so gedacht noch so ausgeprägt bildhaft formuliert.
[…]
Das Zitat, das ihm zugeschrieben wird, könnte von einem Fundamentalisten in den USA stammen, der eine Stütze des Glaubens fingieren wollte. Der Gedanke stammt jedenfalls aus der englischen Tradition, er findet sich zuerst in den „Essays Of Atheism“ von Francis Bacon (1601) und lautet: „A little philosophy inclineth man’s mind to atheism; but depth in philosophy bringeth men’s minds about to religion.“ […]
Dass die Fälschung aus dem Englischen stammt, zeigt sich auch daran, dass sie auf Deutsch in abweichenden Übersetzungen kursiert. Einen Fundort zu diesem weit verbreiteten, angeblichen Zitat hat noch niemand angeben können.

Dieser letzte Hinweis ist nicht ganz stichhaltig, denn es gibt auch auf Englisch unterschiedliche Versionen:

The first gulp from the glass of natural sciences will turn you into an atheist, but at the bottom of the glass God is waiting for you.

The first sip from the cup of natural science makes one an atheist, but at the bottom of the cup, God awaits.

Gerade bei den englischsprachigen Zitaten wird oft diese Quelle genannt.

Hildebrand, Ulrich. 1988. „Das Universum – Hinweis auf Gott?“, in Ethos (die Zeitschrift für die ganze Familie), No. 10, Oktober. Berneck, Schweiz: Schwengeler Verlag AG.

Ich habe einfach mal eine Mail an den Verlag geschickt mit der Frage, ob das Zitat wirklich in der Zeitschrift steht und ob eine Quelle angegeben ist, und ich habe sogar eine Antwort bekommen.

Ja, es ist richtig, dieses Zitat wurde in «ethos» veröffentlicht.

Die Suche bei Google Books förderte noch ältere Erwähnungen zutage. Max Thürkauf bringt das Zitat in Die moderne Naturwissenschaft und ihre soziale Heilslehre–der Marxismus (1980) und Endzeit des Marxismus (1987) jeweils mit der Quellenangabe Wolfgang Kuhn Das Eichhörnchen und der liebe Gott (1979).

Weil nicht zu sehen war, ob Kuhn eine Quelle angibt, bestellte ich mir für 1,22 Euro (plus 3 Euro Versand) Das Eichhörnchen und der liebe Gott, welches sich als dümmliches Intelligent-Design-Machwerk entpuppte.

Wolfgang Kuhn stellt eine hochkomplexe Lebensform nach der anderen vor und fragt jedesmal: „Und das soll allein durch Zufall entstanden sein?“ oder  „Und das soll allein durch Auslese entstanden sein?“. Dass Evolution ein Zusammenspiel von Zufall und Auslese ist, kommt dem Biologieprofessor nicht in den Sinn.

Das Heisenberg-Zitat, ohne Angabe einer Quelle, lautet bei Kuhn:

„Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grunde des Bechers wartet Gott.“ Werner Heisenberg, Nobelpreisträger

Dann versuchte ich bei Google diese Kombination von Suchbegriffen: „wolfgang kuhn“ „werner heisenberg“ „wartet gott“, und fand ein PDF von Catholic-Church.org, in dem ein gewisser Dr. Ludwig Neidhart folgendes geschrieben hat:

So sagt Francis Bacon: „Ein wenig Philosophie“ mache den Geist des Menschen dem Atheismus geneigt, aber „die Tiefe der Philosophie“ führe ihn zur Religion zurück (wobei zu seiner Zeit Naturwissenschaften zur Philosophie dazugehörten).46 Ähnlich C.F. v. Weizsäcker: „Nach einem alten Satz trennt uns der erste Schluck aus dem Becher der Erkenntnis von Gott, aber auf dem Grunde des Bechers wartet Gott“.47
[…]
47 Vgl. diverse Internetquellen sowie C.F. v. Weizsäcker, Die Geschichte der Natur. Zwölf Vorlesungen, Göttingen 1948, 9. Auf. 1979, S. 117.

Diese Quelle ist bei Google recht vollständig zu finden: Carl Friedrich Weizsäcker (Freiherr von): Die Geschichte der Natur: Zwölf Vorlesungen, S. Hirzel, 1948 – 138 Seiten. Das Zitat im Zusammenhang (merkwürdigerweise auf Seite 152 von 138):

Aus dem Denken gibt es keinen ehrlichen Rückweg in einen naiven Glauben. Nach einem alten Satz trennt uns der erste Schluck aus dem Becher der Erkenntnis von Gott, aber auf dem Grunde des Bechers wartet Gott auf den, der ihn sucht. Wenn es so ist, dann gibt es einen Weg des Denkens, der vorwärts zu religiösen Wahrheiten führt, und nur diesen Weg zu suchen ist lohnend. Wenn es nicht so ist, wird unsere Welt auf die Religion ihre Hoffnungen vergeblich setzen.

In der Ausgabe von 1958 steht abschwächend „der vorwärts zur Fähigkeit führt, religiöse Wahrheiten aufzufassen„. Dieser Text scheint auch in der 1979er Auflage zu stehen, jedenfalls wird er hier so zitiert

Damit ist immer noch nicht klar, ob Heisenberg, der ein guter Bekannter C.F. v. Weizsäckers war, den Ausspruch getan hat. Klar ist, dass er ohne Prüfung der Quellen immer wieder abgeschrieben wird. Klar ist auch, was die Zitierenden damit bezwecken. Sie möchten eine Autorität vorführen, die ihre Sache vertritt und auch von der Gegenseite, also den Atheisten, akzeptiert wird.

Eine Autorität ist freilich kein Argument im strengen Sinn, und erst recht kein Teil einer lückenlosen Beweisführung. Andererseits gebe ich zu, dass ich einen Konsens unter Wissenschaftlern zur Meinungsbildung akzeptiere, wenn ich die Daten nicht selbst überprüfen kann.

Wenn Heisenberg den „alten Satz“, den er von einem Bekannten aufgeschnappt hat, zur Charakterisierung seiner eigenen Überzeugung verwendet haben sollte, bedeutet das aber nicht, dass am Grund des Bechers Jahwe auf die Gelegenheit wartet, dem Wissenschaftler den Gebrauch von Kondomen zu verbieten, oder ihn umzubringen, weil er schwul ist oder am Sabbat Holz gesammelt hat. Bei Heisenberg ist Gott, ähnlich wie bei Einstein, die Ordnung in der Natur und keine Person.

Dieser Gott am Boden des Bechers erinnert stark an den Gott der Lücke. Zeus wohnte noch auf dem Berg Olymp und schleuderte Blitze. Heute vermutet man auf Berggipfeln und hinter Blitzen keine Götter mehr. Man hat den Himmel beobachtet, und er ist nicht in sieben Schichten angeordnet, und es fliegen dort keine Engel umher. Man weiß auch, dass die Planeten nicht vom unbewegten Beweger in Bewegung gehalten werden. Gott gibt sich nicht einmal durch die Umsetzung von Gebeten zu erkennen.

Die Heisenberg-Zitierer haben offenbar nie den ersten Schluck aus dem Becher der Naturwissenschaft getrunken und nie den „naiven Glauben“ verlassen, denn sonst wären sie ja Atheisten. Und wenn sie bis zum Boden des Bechers vorgedrungen sein sollten, dann müssten sie doch in der Lage sein, mit logischen Argumenten zu kommen und nicht nur mit Zitaten ohne Quellennachweis.

 

 

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Christus bei Flavius Josephus

Bei n-tv.de wurde zu Weihnachten gefragt: „Hat Jesus tatsächlich existiert?“
Die positive Antwort von Fabian Maysenhölder stützt sich auf …

Überlieferungen, die eine historische Person Jesus erwähnen: allen voran Flavius Josephus, ein jüdischer Geschichtsschreiber aus dem 1. Jahrhundert. Er erwähnt Jesus an zwei Stellen. Eine der beiden ist umstritten und könnte möglicherweise im Laufe der Überlieferung verfälscht worden sein, enthält aber aller Wahrscheinlichkeit nach einen historischen Kern. Die zweite schätzen Historiker fast einstimmig als echt ein.

Das ist stark beschönigend ausgedrückt. Tatsächlich ist die erste, das sogenannte Testimonium Flavianum, mit großer Sicherheit gefälscht. Darin heißt es über Jesus: „Dieser war der Christus“, und er sei von den Toten auferstanden. Das hätte der Jude Josephus wohl kaum geschrieben. Zudem berichtete Origines (185-254), dass Flavius Josephus Jesus nicht als Messias anerkannt hatte, und nachdem Eusebius (ungefähr 260-340) dieselbe Bibliothek übernommen hatte, sieht es plötzlich ganz anders aus. Weiterlesen

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Goethe und die Homöopathie

Macht’s nach, aber macht’s genau nach.
Samuel Hahnemann

Im Skeptiker 1/2017 (Zeitschrift der GWUP) stellt der Artikel Scepticismus 1793-1812 die zeitgenössische Kritik an der Homöopathie vor. Mir war neu, dass es zunächst nur das von vornherein widersinnige Prinzip „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ („similia similibus curentur“) gab und die Verdünnung später hinzukam.

Bereits 1810 gab es eine kritische Zeitschrift, in der August Heinroth folgendes geschrieben hat:

Wie kann Herr Hahnemann verlangen, daß man ihm, der Erfahrung und Vernunft zum Trotze, so etwas glauben soll! Ein Glas Wein wirkt also kräftiger, wenn es in vier Theile getheilt und mit einer guten Quantität Wasser vermischt in längeren Zeiträumen konsumiert wird, als wenn man es unvermischt in kurzer Zeit trinkt? Gleichwohl baut der Verf. auf diesen Grundsatz seine Lehre von der Anwendung der Heilmittel.

1835 wurde die Homöopathie in einem Doppelblindversuch getestet. Wikipedia:

Während die Kommission folgerte, dass die Potenzierung keine Wirkung habe, reagierten homöopathische Zeitschriften mit heftigen Polemiken. Weiterlesen

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Sensus divinitatis und Ontologie

It depends on what the meaning of the word „is“ is
Bill Clinton

Unter dem hochgestochenen Titel liste ich mal wieder einige Zitate auf, die mich in der vergangenen Woche besonders geärgert haben. Ihnen ist gemeinsam, dass nicht der Schöpfergott des Alten Testaments, sondern ein modernes Gottesbild vermittelt wird, das in der Beziehung des Menschen zu Gott verankert ist.

Evangelisch.de berichtet über eine Rede des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert bei der Eröffnung der Lessingtage im Hamburger Thalia-Theater:

Anders als die Politik handele Religion von Wahrheiten, die nicht durch Mehrheitsbeschluss entschieden werden könnten, sagte der Bundestagspräsident. Damit eine Gesellschaft diese unterschiedlichen Wahrheitsansprüche aushalte, sei echte Toleranz notwendig. „Toleranz ist der große Bruder der Freiheit.“ Sie sei mehr als Kenntnisnahme oder Duldung des Andersartigen. Entscheidend sei die Bereitschaft, den anderen zu verstehen. Lammert: „Wenn es einen Gott gibt, dann haben wir alle denselben.“

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Der Fehlschluss von Sollen auf Sein

Gender Studies, Gender-Theorie, Gender Mainstreaming, Genderismus, Gender-Ideologie. Worum geht es dabei eigentlich?

Im Skeptiker, herausgegeben von der GWUP, hat Stephanie Dreyfürst das Buch Das Gender-Paradoxon von Ulrich Kutschera besprochen. Sie weist die Begriffe „Genderismus“ und  „Gender-Ideologie“ zurück und bezeichnet die „Gender Studies“ als

Untersuchungen zu tradierten Rollenvorstellungen.

Ulrich Kutschera, der als Biologe für dieses Thema natürlich nicht qualifiziert wäre, sieht das ganz anders. In einem auf YouTube veröffentlichten Interview beschwert er sich über

Die Gender-Ideologie, um es nochmal klar zu sagen: die These, das biologische Geschlecht sei gesellschaftlich determiniert

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Newton, Platon, Kant

Darwin made it possible to become an intellectually fulfilled atheist.
Richard Dawkins, The Blind Watchmaker, 1986

Bevor die Abstammung des Menschen von anderen Tieren und die Mechanismen der Evolution bekannt waren, glaubten auch die größten Denker an Gott. Das taten sie natürlich nicht nur, weil sie sich die Welt nicht anders erklären konnten, sondern auch wegen des religiösen gesellschaftlichen Umfelds, dem sie von Kindheit an ausgesetzt waren.

Isaac Newton (1643-1727) war bekanntlich ein gläubiger Christ mit großem Interesse an Physik, Alchemie und Theologie. Allerdings neigte er dem Arianismus zu und lehnte die Trinität ab, also den Glauben an Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Er fand sogar heraus, dass mindestens zwei Bibelstellen in der King-James-Übersetzung zugunsten der Trinität gefälscht waren (was natürlich Muslime erfreut). Eine davon ist das sogenannte Comma Johanneum. Weiterlesen

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Verhältnis von Wissenschaft und Religion: Bullshit-Bingo

Gerade hatte ich über den nicht vorhandenen Beitrag der Religion zum Wissen über die Welt gebloggt, da fand ich im Atheist Media Blog noch eine Buchempfehlung der Tagespost,  mit der man mühelos ein Bullshit-Bingo der Scheinargumente gewinnt, die üblicherweise die Harmonie von Wissenschaft und Glauben begründen sollen.

Ich habe das Buch von Martin Rhonheimer nicht gelesen, sondern beziehe mich nur auf das, was Stefan Meetschen geschrieben hat. Standesgemäß beginnt es mit einem Dawkins-Bashing, das ohne Begründung auskommt und sprachlich unklar bleibt.

Auf der einen Seite findet man mitunter gläubige Menschen, welche den Schöpfungsbericht der Bibel geradezu fanatisch wörtlich nehmen, auf der anderen Seite Wissenschaftler wie zum Beispiel Richard Dawkins, die Einsichten Darwins zur Evolution und ihr eigenes Wort vom „Gotteswahn“ absolut setzen. Keine guten Voraussetzungen für einen fruchtbaren rationalen Dialog. Weiterlesen

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