Veranstaltungen

Diese Veranstaltungshinweise stehen im Blog immer ganz oben.
Der neueste Artikel folgt darunter.

Treffen der Skeptiker (GWUP) Regionalgruppe Hamburg
13.06.2017 (jeden 13. eines Monats), 19:30 Uhr,
Abaton-Bistro, Grindelhof, Hamburg

Science Slam in Bremen
14.06.2017, 20:00 Uhr, Einlass 19:30 Uhr, Eintritt: 5 Euro
Kulturzentrum Lagerhaus, Schildstr. 12 – 19

Science Slam in Hamburg: Flucht und Exil #2
17.06.2017, 20:00 Uhr, Einlass 19:00 Uhr, Eintritt 8 Euro
Haus 73, Schulterblatt 73,  20357 Hamburg
Termine in weiteren Städten stehen auf der Science-Slam-Seite.

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Goethe und die Homöopathie

Macht’s nach, aber macht’s genau nach.
Samuel Hahnemann

Im Skeptiker 1/2017 (Zeitschrift der GWUP) stellt der Artikel Scepticismus 1793-1812 die zeitgenössische Kritik an der Homöopathie vor. Mir war neu, dass es zunächst nur das von vornherein widersinnige Prinzip „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ („similia similibus curentur“) gab und die Verdünnung später hinzukam.

Bereits 1810 gab es eine kritische Zeitschrift, in der August Heinroth folgendes geschrieben hat:

Wie kann Herr Hahnemann verlangen, daß man ihm, der Erfahrung und Vernunft zum Trotze, so etwas glauben soll! Ein Glas Wein wirkt also kräftiger, wenn es in vier Theile getheilt und mit einer guten Quantität Wasser vermischt in längeren Zeiträumen konsumiert wird, als wenn man es unvermischt in kurzer Zeit trinkt? Gleichwohl baut der Verf. auf diesen Grundsatz seine Lehre von der Anwendung der Heilmittel.

1835 wurde die Homöopathie in einem Doppelblindversuch getestet. Wikipedia:

Während die Kommission folgerte, dass die Potenzierung keine Wirkung habe, reagierten homöopathische Zeitschriften mit heftigen Polemiken.

Beim Googlen nach frühen Reaktionen auf die Homöopathie bin ich irgendwie auf die Seite Cysticus geraten. Dort versucht man, uns das Ähnlichkeitsprinzip mit Beispielen außerhalb der Homöopathie näherzubringen.

Z. B. werden erfrorene Gliedmaßen mit Schnee eingerieben – es hilft also ein ähnlicher Reiz (kalter Schnee) wie der, der die Erfrierung verursacht hat (Kälte).
Die beste Heilungsrate bei Alkoholismus erzielen die Anonymen Alkoholiker, auch hier wird Ähnliches (Alkoholismus) von Ähnlichem (trockene Alkoholiker) geheilt.

Kurzer Faktencheck:

Nicht mit Schnee einreiben (bergnews.com)
Merke: Kein Einreiben mit Schnee (Ärztezeitung)
Vorsicht: Erfrorene Körperteile nicht mit Schnee einreiben (Apotheken-Umschau)

No experimental studies unequivocally demonstrated the effectiveness of AA [Alcoholics Anonymous] or TSF [Twelve Step Facilitation] approaches for reducing alcohol dependence or problems. (onlinelibrary.wiley.com)

Ähnliche Substanzen zur Heilung von Alkoholismus wären eigentlich Rauschgifte und nicht ehemalige Süchtige. Genaues Nachmachen der Homöopathie würde bedeuten, dass man die Anonymen Alkoholiker zerreibt, verdünnt und auf Zuckerkügelchen aufbringt.

Ähnlich wie Muslime, die aus dem West-östlichen Divan herauslesen wollen, dass Goethe Muslim war, versucht Cysticus Goethe für die Homöopathie zu vereinnahmen. Es wäre eigentlich unerheblich, was ein medizinischer Laie zu Beginn der evidenzbasierten Medizin von der Homöopathie hielt, aber man kann daran schön die Oberflächlichkeit der Argumentation nachvollziehen. Der Seite vorangestellt ist ein angebliches Faust-Zitat:

„Zu Gleichem Gleiches, was auch einer leide, – es hilft gewiß“

Genau so formuliert findet man es aber nicht im Faust, sondern nur bei diversen Homöopathen, die es offenbar voneinander abgeschrieben haben, beginnend mit W. Schwabe in der Allgemeinen homöopathischen Zeitung 1889:

„Fuss wider Fuss; zu Gleichem Gleiches! was auch einer leide, es hilft gewiss.“ Dies sagt Mephisto einer Hofdame, die über ihr Bein klagt, und der ihr einen Tritt darauf versetzt, als Erklärung.

Diese Textstelle ist nicht geeignet, Goethe als Befürworter der Homöopathie darzustellen. Er scheint sich eher darüber lustig zu machen. In dieser Szene empfiehlt Mephisto (also der Teufel, und nicht etwa Goethe selbst) erst ein Mittel gegen Sommersprossen:

„Nehmt Froschlaich, Krötenzungen, cohobirt,
Im vollsten Mondlicht sorglich distillirt;
Und, wenn er abnimmt, reinlich aufgestrichen,
Der Frühling kommt, die Tupfen sind entwichen.“

Dann wird ein „erfrorner Fuß“ nicht mit Schnee eingerieben und nicht mit Hochpotenzen geheilt, sondern durch einen Tritt mit Mephistos Pferdefuß.

Mephistopheles.
„Mein Fußtritt, Kind! hat Größres zu bedeuten.
Zu Gleichem Gleiches, was auch einer litt;
Fuß heilet Fuß so ist’s mit allen Gliedern.
Heran! Gebt Acht! Ihr sollt es nicht erwiedern.“

Braune (schreiend).
„Weh! Weh! das brennt! das war ein harter Tritt,“

Daraus kann man nun wirklich nicht lesen, dass Goethe sich „ausdrücklich zur neuen Heillehre“, der sanften Homöopatie, bekennt.

Es gibt passendere Zitate, z.B. bei SIMNOS

„…ich glaube jetzt eifriger denn je an die Lehre des wundersamen Arztes, seit ich die Wirkung einer allerkleinsten Gabe so lebhaft gefühlt und immer wieder empfinde.“ Johann Wolfgang Goethe in einem Brief vom 2.September 1820

Und Dr. Simone Klass fügt hinzu

Schon Goethe wurde von Hahnemann mit Homöopatie [sic] behandelt.

Das wage ich zu bezweifeln, denn in dem Brief ging es gar nicht um Homöopathie. Das Homöopathische Linksystem Sat erkärt.

Es handelt sich um ein Amulett, das er von Marianne Willemer geschickt bekam, in welches einige Haare von ihr eingearbeitet waren. Es war sozusagen ein ganz kleiner Teil von der Marianne Willemer, und der übte auf ihn die zauberhafteste Wirkung aus.

Danach folgen auf derselben Seite einige Zitate Goethes, die wohl tatsächlich die Homöopathie loben, z.B.

„Sie erhalten hierbey, mein Theuerster, das kurz gefasste Glaubens=Bekenntnis eines Hahnemannschen Schülers.“

aber auch dieses Zitat

„Man kriegt von Homojopathen keine Explikation, weil sie keine Raison haben.“

Der Kontext wird von Katherina Mittendorf im Wörterbuchnetz angegeben:

Homöopathauch Homojo- bzw Homoja- homöopathische Heilmethoden anwendender Mediziner; in krit-abwertender EinschätzungMan kriegt von Homojopathen [<Homojapathen] keine Explication, weil sie keine Raison haben“ Tgb 10.4.31[mBez auf den 1826 in Neapel verstorbenen österr Offizier FvKoller] Tod, verursacht durch den H-n

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Sensus divinitatis und Ontologie

It depends on what the meaning of the word „is“ is
Bill Clinton

Unter dem hochgestochenen Titel liste ich mal wieder einige Zitate auf, die mich in der vergangenen Woche besonders geärgert haben. Ihnen ist gemeinsam, dass nicht der Schöpfergott des Alten Testaments, sondern ein modernes Gottesbild vermittelt wird, das in der Beziehung des Menschen zu Gott verankert ist.

Evangelisch.de berichtet über eine Rede des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert bei der Eröffnung der Lessingtage im Hamburger Thalia-Theater:

Anders als die Politik handele Religion von Wahrheiten, die nicht durch Mehrheitsbeschluss entschieden werden könnten, sagte der Bundestagspräsident. Damit eine Gesellschaft diese unterschiedlichen Wahrheitsansprüche aushalte, sei echte Toleranz notwendig. „Toleranz ist der große Bruder der Freiheit.“ Sie sei mehr als Kenntnisnahme oder Duldung des Andersartigen. Entscheidend sei die Bereitschaft, den anderen zu verstehen. Lammert: „Wenn es einen Gott gibt, dann haben wir alle denselben.“

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Der Fehlschluss von Sollen auf Sein

Gender Studies, Gender-Theorie, Gender Mainstreaming, Genderismus, Gender-Ideologie. Worum geht es dabei eigentlich?

Im Skeptiker, herausgegeben von der GWUP, hat Stephanie Dreyfürst das Buch Das Gender-Paradoxon von Ulrich Kutschera besprochen. Sie weist die Begriffe „Genderismus“ und  „Gender-Ideologie“ zurück und bezeichnet die „Gender Studies“ als

Untersuchungen zu tradierten Rollenvorstellungen.

Ulrich Kutschera, der als Biologe für dieses Thema natürlich nicht qualifiziert wäre, sieht das ganz anders. In einem auf YouTube veröffentlichten Interview beschwert er sich über

Die Gender-Ideologie, um es nochmal klar zu sagen: die These, das biologische Geschlecht sei gesellschaftlich determiniert

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Newton, Platon, Kant

Darwin made it possible to become an intellectually fulfilled atheist.
Richard Dawkins, The Blind Watchmaker, 1986

Bevor die Abstammung des Menschen von anderen Tieren und die Mechanismen der Evolution bekannt waren, glaubten auch die größten Denker an Gott. Das taten sie natürlich nicht nur, weil sie sich die Welt nicht anders erklären konnten, sondern auch wegen des religiösen gesellschaftlichen Umfelds, dem sie von Kindheit an ausgesetzt waren.

Isaac Newton (1643-1727) war bekanntlich ein gläubiger Christ mit großem Interesse an Physik, Alchemie und Theologie. Allerdings neigte er dem Arianismus zu und lehnte die Trinität ab, also den Glauben an Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Er fand sogar heraus, dass mindestens zwei Bibelstellen in der King-James-Übersetzung zugunsten der Trinität gefälscht waren (was natürlich Muslime erfreut). Eine davon ist das sogenannte Comma Johanneum. Weiterlesen

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Verhältnis von Wissenschaft und Religion: Bullshit-Bingo

Gerade hatte ich über den nicht vorhandenen Beitrag der Religion zum Wissen über die Welt gebloggt, da fand ich im Atheist Media Blog noch eine Buchempfehlung der Tagespost,  mit der man mühelos ein Bullshit-Bingo der Scheinargumente gewinnt, die üblicherweise die Harmonie von Wissenschaft und Glauben begründen sollen.

Ich habe das Buch von Martin Rhonheimer nicht gelesen, sondern beziehe mich nur auf das, was Stefan Meetschen geschrieben hat. Standesgemäß beginnt es mit einem Dawkins-Bashing, das ohne Begründung auskommt und sprachlich unklar bleibt.

Auf der einen Seite findet man mitunter gläubige Menschen, welche den Schöpfungsbericht der Bibel geradezu fanatisch wörtlich nehmen, auf der anderen Seite Wissenschaftler wie zum Beispiel Richard Dawkins, die Einsichten Darwins zur Evolution und ihr eigenes Wort vom „Gotteswahn“ absolut setzen. Keine guten Voraussetzungen für einen fruchtbaren rationalen Dialog. Weiterlesen

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Das langsame Fenster und der voreilige Spiegel

In Jerry Coynes Blog »Why Evolution is true« wurde im September die Natürliche Theologie des Physikers Freeman Dyson vorgestellt. Dyson ist durchaus intelligent und gebildet und hat z.B. die Dyson-Sphäre erdacht. Seine religiösen Ansichten sind allerdings so verschroben, dass es zum Templeton-Preis (2000) gereicht hat. Hier ist ein Ausschnitt aus seiner Dankesrede (meine Übersetzung, also vielleicht nicht ganz exakt):

Atome verhalten sich im Labor merkwürdig, eher wie Akteure als wie leblose Substanzen. … Es sieht so aus, als habe in jedes Atom einen eigenen Willen, zumindest was seine Fähigkeit angeht, Entscheidungen zu treffen. … Ich denke, dass Atome, Menschen und Gott geistige Fähigkeiten haben, die sich nur quantitativ aber nicht qualitativ unterscheiden.

Das erinnert sehr an Deepak Chopra. Aktuell ging es aber in »Why Evolution is true« um ein neueres Interview mit Dyson im Business Insider. Jerry Coyne regt sich mit Recht über die Aussage auf, nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Religion würde zum Wissen über die Welt beitragen. Dyson:

Ich benutze gerne die Metapher »Fenster«. Das Wissenschaftsfenster gibt uns eine Sicht der Welt, und das Religionsfenster gibt uns eine völlig andere Sicht. Man kann nicht durch beide gleichzeitig sehen, aber beide sind wahr. Weiterlesen

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Die Dummheit der „Klimaskeptiker“

Zugegeben mit einigen Jahren Verspätung ist mir heute eine Serie von Artikeln aufgefallen, die sich mit der Rolle von CO2 bei Sonnenstürmen befasste. Zuerst fand ich einen bei Propagandafront.de. Es handelte sich um die Übersetzung eines Artikels vom 22.05.2013 von Ethan A. Huff bei Infowars.com bzw. Naturalnews.com, die Wort für Wort auch auf der passend benannten Seite Volksbetrugpunktnet erschien.

Erderwärmung widerlegt: NASA-Studie bestätigt, dass CO2 die Atmosphäre in Wirklichkeit abkühlt

So lautete die Überschrift, und es war tatsächlich eine NASA-Studie verlinkt, die von einer Abkühlung eines Teils der Atmosphäre durch CO2 und Stickstoffmonoxid (NO) während eines Sonnensturms vom 8. bis 10. März 2012 berichtet (in der Übersetzung wird daraus 2013). Allerdings erwähnt die Studie nirgends, dass dies im Widerspruch zur Erderwärmung durch CO2 stünde. Wieso auch? Mit das Erste, was ich über die Wirkung von CO2 lernte, war die Abkühlung der Stratosphäre, die durch die Anwesenheit von CO2 die Gelegenheit hat, etwas von ihrer Wärme abzustrahlen. Weiterlesen

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